Dieser Moment, wenn dich das Team am A R S C H lecken kann

103. Nordderby, Reaktion auf das Desaster von Wolfsburg, 100 Prozent Leidenschaft und Herz, ein Sieg vor heimischer Kulisse. Was war nicht alles über dieses traditionelle Gipfeltreffen des Nordens geschrieben worden. Gipfeltreffen im Sinne der langjährigen Rivalität. Sportlich hecheln die einstigen Größen des Nordens vergangenen Erfolgen meilenweit hinterher. Wenngleich sich für unsere Jungs von der Weser die deutlich schwierigere Saison anbahnt. Naja, eigentlich schon seit längerer Zeit angebahnt hat.

Im Sinne meines persönlichen Fanverständnisses liegt mir nichts ferner als ein Rundumschlag gegen unsere Jungs mit dem W auf der Brust. Momente, in denen sich dilettantische, arbeitsverweigernde und leidenschaftslose Auftritte in höchster Regelmäßigkeit häufen, rechtfertigen aber keine schützende Hand mehr. Und nur die Raute auf der Brust zu tragen, ist sicherlich nicht als Alibi dafür zu verstehen, dass Teilzeitarbeit an der Weser ausreicht. Vielmehr sollte es verpflichten. Verpflichten zur Leistung. Verpflichten zur Identifikation mit dem Club. Verpflichten zum bedingungslosen Einsatz für den Verein. Ich weiß, wir leben im 21. Jahrhundert, Geld regiert die Welt und Vereine sind zu klassischen Arbeitgebern verkommen, aber dennoch: Für die Zeit der Zusammenarbeit trägt jeder Spieler eine gewisse Verpflichtung gegenüber den Fans und dem Ruf des Vereins. Wenigstens in dieser Zeit will man als Anhänger das Gefühl haben, dass jeder Spieler im Verein die Werder-DNA lebt. Dazu gehört es eben auch, mindestens den Eindruck zu hinterlassen, an Leistungsgrenzen gehen zu wollen. Für den Verein, für die Fans oder lapidar gesagt: zur Rechtfertigung für die teils doch sehr üppigen Gehälter.

Tiefpunkt Derby

Dass diese Saison von Höhen und Tiefen begleitet werden würde, da waren sich viele einig. Der Blick könne allerdings mit etwas Glück und anhaltender Formstärke von Leistungsträgern durchaus nach oben gehen, hatten nicht wenige gesagt – auch ich. Nach der mittlerweile fünften Heimniederlage in Serie sieht die Realität anders aus. Werder hat das Kapitel Überlebenskampf längst noch nicht hinter sich gelassen. Vielmehr zeugen die Auftritte der Spieler auf dem Platz von einem Rückfall in alte, besorgniserregende Verhaltensmuster.

Wer nicht gänzlich fernab von der Realität lebt, wird die Möglichkeiten mit dem Kader allerdings richtig eingeschätzt haben. Er ist mit viel Kreativität zusammengestellt und verfügt über eine Fülle an interessanten Talenten, deren Durchbruch bisher aber noch nicht so recht gelingen will. Natürlich verfügt er über das so oft zitierte Potential, aber ihm fehlt auch nachweislich die Qualität für höhere Ziele. In Zeiten der finanziellen Not liegen die Erklärungen dafür auf der Hand. All das entschuldigt allerdings nicht für die Art und Weise, wie Werder in vielen Spielen dieser Saison aufgetreten ist.

Das ist wirklich nur schwer zu begreifen. Noch schwieriger zu akzeptieren. In meinem Verständnis des Fanseins stehe ich bedingungslos hinter den Spielern, die die Farben meines Vereins tragen, ihn auf dem Feld repräsentieren. Ich versuche ihnen durch gutes Zureden Vertrauen in die eigene Stärke zu geben, versuche Fehler als Lernprozesse zu beschwichtigen und versuche durch sachliche Kritik nicht unnötig zu demotivieren. Heute, zwei Tage nach dem Derby, möchte ich den Spielern aber immer noch einfach nur sagen: Fickt euch! In erster Linie dafür, wie ich ihr euch in dieser Spielzeit zu Großen Teilen präsentiert. Durch die Bedeutung des Derbys aber auch für die Niederlage in diesem Spiel.

Klar, dass Derbys auch mit schmerzenden Niederlagen verbunden sind, aber nicht so. Ihr wollt wissen, was ich auf dem Platz gesehen habe? Eine Ansammlung blutleerer Kadaver. Das tat weh. Hamburg hat das gezeigt, was in einem Derby oftmals den Unterschied ausmacht: Zusammenhalt, Kampf und eine Menge Herz. Ja, ich rede über den HSV. Einen Verein, den ich aus Tradition nicht mag. Dennoch: Sie haben das Derby gewonnen, verdient, nicht hoch genug. Traurig, sowas nach einem Derby sagen zu müssen.

Wie es mit Werder weitergeht? Ich weiß es nicht. Derzeit bin ich ratlos. Tut es meiner Liebe zum Verein einen Abbruch? Natürlich nicht. Sie bröckelt nicht mal. In guten und in schlechten Zeiten ist Werder Bremen mein Verein. Und genau deshalb darf ich es mir erlauben, den Jungs auch mal zu sagen, wann sie mir richtig auf den Sack gehen – und das tun sie grad!

// G.C.

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