Marco Bode über seinen Job und die Ziele mit Werder Bremen

Als Arbeitskollege in den Medientätigkeiten von Marco Bode, hat sich unser Aufsichtsratsvorsitzender etwas Zeit für mich genommen und ein paar Fragen bezüglich seines Jobs sowie den sportlichen und wirtschaftlichen Zielen beantwortet. 

Bode in lässigem Outfit.
Bode in lässigem Outfit.

Werderschnack: Hallo Marco. Schön, dass du dir etwas Zeit für den Werderschnack genommen hast. Lass uns daher ruhig sofort zur Sache kommen. Seit Oktober letzten Jahres bist du nun Aufsichtsratsvorsitzender im Verein. Ein Job, der für viele nicht so greifbar ist. Wie sieht dein Arbeitsalltag seitdem aus?

Marco Bode: Der Aufsichtsrat ist ein Gremium, das die Geschäftsführung berät und kontrolliert. Das sind die Kernaufgaben, die zwei Jahre lang einen großen zeitlichen Aufwand von mir gefordert haben. Als Vorsitzender ist die Situation ein wenig anders. Ich bin an vielen Themen viel enger dran und bespreche im Anschluss alles mit den drei Geschäftsführern. Man kann vielleicht nicht genau definieren, wie hoch der zeitliche Aufwand pro Woche ist, aber während der Arbeitszeit habe ich immer das Gefühl, sehr nah an allen Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein.

Werderschnack: In Bremen bist du so etwas wie ein Art Volksheld. Hat es deine Entscheidung beeinflusst, dass das Umfeld ziemlich lautstark eine Lemke-Ablösung durch dich gefordert hat? Oder ist es jetzt im Nachhinein sogar eher als Bürde zu verstehen, da du die Arbeit besonders gut machen wolltest?

Marco Bode: Grundsätzlich versuche ich alles was ich mache immer gut zu machen. Die Ambition, Lemke abzulösen, hatte ich allerdings nicht. Das hat sich vergangenen Herbst so ergeben. Im Verein waren wir uns einig, dass die Zeit reif für einen Generationswechsel sei. Aber wir wissen auch noch alle, wie schwierig Werders Situation zu dem Zeitpunkt war, was mir die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Ich habe aber dann gesagt: Jetzt muss ich bereit, denn ein nein könnte im Umfeld als mangelndes Interesse wahrgenommen werden. Das war und ist nach wie vor nicht der Fall. Ich habe ein großes Interesse daran, Werders Zukunft erfolgreich mitzugestalten und deswegen finde ich die Aufgabe, die ich übernommen habe, sehr spannend und herausfordernd.

Werderschnack: Die Ambition, Lemke abzulösen hattest du nicht. Dennoch sitzt du hier nun als sein Nachfolger. Was macht Marco Bode eigentlich anders als sein Vorgänger?

Marco Bode: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich kann höchstens erklären, wie ich die Aufgaben hier bei Werder angehe. Dabei verstehe ich uns im Aufsichtsrat vor allem als Team, das ich jederzeit vollkommen transparent an allen Prozessen teilnehmen lasse.  Entscheidungen treffen wir dabei ohnehin als Gruppe. Auch, wenn ich als Vorsitzender dabei eine besondere Rolle einnehme und als Sprecher dieses Gremiums fungiere.

Schlussendlich verfolgen aber alle im Verein tätigen Personen das gleiche Ziel. Egal, ob Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Trainer, oder die Mannschaft, alle wollen sportlich erfolgreich sein. Darüber hinaus müssen wir aber auch die wirtschaftlichen Herausforderungen meistern. Wir haben nun in drei aufeinanderfolgenden Jahren durchweg negative Ergebnisse erzielt. Klar, dass es nicht so weitergehen kann. Deswegen geht es vor allem auch darum, wirtschaftlich solide zu sein und trotzdem den sportlichen Erfolg zu maximieren.

Werderschnack: Indirekt sprichst du das Bremer Unwort ja direkt schon an: Konsolidierungskurs. In Fankreisen war oft von „totsparen“ die Rede. Mit dir an der Spitze erhoffen sich viele Anhänger wieder ein bisschen mehr Mut zum Risiko. Es wurden ja bereits ordentliche Ablösesummen für Spieler generiert Mit Ujah ist ein erster teurer Spieler zum Kader hinzugestoßen. Können wir da den ein oder anderen weiteren Transfer-Kracher erwarten?

Marco Bode: In erster Linie geht es uns darum, eine Mannschaft zu entwickeln, die sportlich erfolgreich sein kann. Wir haben, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen aber auch ein Stück weit dadurch motiviert, einen großen Fokus auf eine optimierte Nachwuchsarbeit gelegt. Das hat sich zuletzt schon gut bewährt. Viele junge, hungrige Spieler kratzen bereits am Bundesligakader. Die Mannschaft hat letzte Saison gezeigt, dass bereits Qualität vorhanden ist. Trotzdem werden wir natürlich immer wieder schauen, an welchen Stellen wir den Kader sinnvoll über Transfers verstärken können. Da muss jede mögliche Verstärkung als Einzelfall betrachtet werden. Wirtschaftliche Vernunft ist wichtig, aber wir müssen auch bereit sein, Risiken einzugehen. Meiner Meinung nach schließt sich das auch nicht aus. Die entscheidende Frage ist, wie wir den Kader kreativ und intelligent weiterentwickeln, damit er in der Bundesliga eine tragende Rolle spielen kann.

Werderschnack: Das klingt vernünftig. Glaubst du eigentlich, dass es für deinen Job ein Vorteil ist, früher selbst aktiv gewesen zu sein?

Marco Bode: Es gibt sicher einige Unterschiede zu den Aufsichtsräten, die früher nicht selbst aktiv waren. Ich glaube schon, dass es hilft, denn in einem Fußballclub geht es auch immer darum, sportliche und wirtschaftliche Belange zu vereinen. Deshalb ist es in einem Gremium wie dem Aufsichtsrat wichtig, beide Kompetenzen abzubilden. Mein Schwerpunkt liegt sicherlich etwas mehr im sportlichen Bereich während andere Kollegen ihre Kernkompetenzen in wirtschaftlichen Angelegenheiten haben. Es hilft mir, beides erlebt zu haben. Für das Umfeld ist es sicher auch kein Nachteil, dass die Menschen mich kennen und ich ihnen ein Stück weit Identifikation liefern kann. Sie wissen, für welche Werte ich stehe und wie unsere Werder-Philosophie aussehen kann. Da hilft es schon, ein Spieler gewesen zu sein. Aber das allein hätte natürlich nie und nimmer ausgereicht.

Werderschnack: Stimmt. Zu deinen Aufgaben zählt auch die Bewertung der sportliche Leitung – so auch im Falle Eichin. Öffentlich wird seine Arbeit sehr positiv wahrgenommen, intern soll es laut diverser Medienberichten zwei Meinungen zu ihm geben. Zuletzt hieß es aber, dass eine Verlängerung von Eichin immer näher rückt. Wie bewertest du seine Arbeit?

Marco Bode: Ich habe immer versucht diese Personalie in der ganzen Zeit wenig bis gar nicht zu kommentieren. Wir führen Gespräche und diese Gespräche laufen ziemlich gut. Aber wir wollen die Gespräche außerhalb der Öffentlichkeit und vertrauensvoll im Stillen führen. Und wenn es etwas zu vermelden gibt, melden wir uns.

Werderschnack: Also erzählst du uns nicht, wann es eine Unterschrift gibt?

Marco Bode (lacht): Nein, auch euch nicht.

Werderschnack: Kommen wir zum sportlichen Abschneiden vergangener Saison. Wie bewertest du es?

Marco Bode: Der zehnte Platz klingt natürlich erstmal wie Mittelmaß. Die Saison war aber alles andere als Mittelmaß. Da waren die großen Probleme in der ersten Phase und auch ein wenig Pech. Im Herbst standen wir auf dem letzten Platz. Danach gab es die Phase, die man, mit fünf Siegen in Folge, als neues Werder-Wunder bezeichnen könnte. Da haben wir auch gegen Teams gewonnen, die nominell deutlich über uns standen. In diesen Spielen hat die Mannschaft außergewöhnlich gespielt und unglaubliche Leidenschaft gezeigt. Unmittelbar danach haben wir uns sehr schwer damit getan, diese Leistungen gegen die hinter uns stehenden Teams zu bestätigen. Mit dem Erreichen unseres Minimalziels sind wir die letzten Aufgaben nicht mehr optimal angegangen. Dennoch muss man sagen, dass wir mit den Abschluss sehr zufrieden waren. Nochmal: Kurz vor Weihnachten war die Situation so, dass wir von einer verdammt engen Saison ausgehen mussten.

Werderschnack: Du sagst es. Fast schon paradox, dass man lange akute Abstiegsängste hatte und plötzlich Europa greifbar war. Welche realistischen sportlichen Ziele setzt man sich intern denn für die kommende Spielzeit?

Marco Bode: Ich will das gar nicht so einfach am Tabellenplatz ausmachen. Jetzt, nachdem wir unser Auftaktprogramm erfahren haben, ist es zunächst wichtig, einen guten Start hinzulegen und uns so schnell wie möglich in die obere Tabellenhälfte zu orientieren. Meine Vision ist, dass die Mannschaft an sich glaubt, selbstbewusst auftritt und trotzdem bescheiden bleibt. Sie soll wissen, dass nichts von alleine kommt. Wir können mit den meisten Clubs in dieser Liga mithalten.  Wenn man mal die ersten vier oder fünf Mannschaften außen vor lässt, folgt eine große Masse auf ähnlichem Niveau. Da zu den besten zu gehören, das ist für die kommenden Jahre unser Ziel.  Es gibt dazu eine ganz passende Geschichte mit Momo und Beppo Straßenkehrer, in der Beppo zu seiner Momo folgendes sagt: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich.“ Dieses Zitat lässt sich auch ganz gut auf den Fußball übertragen. Wir denken nicht gleich an die ganze Saison, sondern erstmal an einen guten Start und danach von Spiel zu Spiel.

Werderschnack: Vernünftige Einstellung. Vielleicht ein kleiner Tipp zum Eröffnungspiel? Wie hoch schlagen wir Schalke?

Marco Bode: Es wird ein Superspiel für die Fans im Weserstadion. Schalke ist nach wie vor ein großer Name in der Bundesliga, aber ich hoffe, dass wir 3:1 gewinnen.

Werderschnack: Damit könnten alle gut leben. Vielleicht noch eine Frage zur letzten Saison des großen Nordrivalen. Der HSV musste ja bis zum Schluss zittern. Gab es in der Relegation ein Team, dem du die Daumen gedrückt hast?

Marco Bode: Ich war relativ neutral in diesen Relegationsspielen. Mit Didi Beierdorfer vom HSV und Jens Todt vom KSC bin ich befreundet. Man muss sagen, dass Karlsruhe den Aufstieg auch verdient gehabt hätte. Sie waren mit eineinhalb Beinen schon in der Bundesliga. In der Nachspielzeit gab es dann diesen viel diskutierten Freistoß, den vielleicht nicht jeder Schiedsrichter gepfiffen hätte. Da hatte der HSV schon richtig viel Dusel und der KSC eben eine Menge Pech. So ist das im Fußball häufig.

Werderschnack: Der Fußball eben. Jetzt noch ein paar Fragen, bei denen ich dich bitten würde, schnell zu antworten. Bayern oder der HSV?

Marco Bode: Bayern.

Werderschnack: Spieler oder Vorsitzender?

Marco Bode: Spieler.

Werderschnack: Deutscher Meister mit Werder Bremen oder Europameister mit Deutschland?

Marco Bode: Deutscher Meister mit Werder

Werderschnack: Schaaf oder Rehhagel?

Marco Bode (zögert kurz): Vielleicht ein ganz kleines bisschen mehr Rehhagel.

Werderschnack: Klose oder Pizarro?

Marco Bode: Pizarro.

Werderschnack: Wiedwald oder Wolf?

Marco Bode (lacht): Der Bessere.

Werderschnack: Gut gerettet. Vielen Dank für deine Zeit.

Marco: Nicht dafür.

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