Die Zentrale braucht frisches Blut

Die Saison ist nun schon eine Weile vorbei. Europa haben wir verpasst, den Klassenerhalt dafür frühzeitig gesichert. Derbys mit dem HSV wird weiterhin geben und Meister wurde, welch ein Wunder, dieser Club aus dem Süden der Republik. Der Blick richtet sich aber schon auf die nächste Saison. Wichtige Personalentscheidungen stehen noch aus. Bleibt Franco Di Santo? Werden wir die Leihspieler los? Wer soll noch kommen? All diese Dinge haben Einfluss auf kommende Entscheidungen und den finanziellen Handlungsspielraum von Werder Bremen. 

Was aber in Anbetracht der letzten Saison auffiel: Werder verfügt derzeit nicht über die nötige Kreativität in der Zentrale. Für das Spiel mit einer Raute eigentlich unabdingbar, wenn sportlicher Erfolg wieder an der Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb bemessen werden soll. In Anbetracht der Leistungsdichte in der Bundesliga ist es ein realistisches Ziel. Genauso schnell kann es aber auch wieder nach unten gehen. Und damit das nicht passiert, bedarf es unter Umständen einer Nachbesserung auf den zentralen Positionen im Mittelfeld. „Wenn wir Raute spielen, brauchen wir einen Zehner, der den Unterschied macht. Ich denke, da müssen wir etwas tun“, so Skripnik.

Offensiv durften sich Aycicek, Yildirim, Öztunali oder auch Bartels ausprobieren. Die jungen Wilden sind alle hochveranlagt, zweifellos, und doch haben sie keinen dauerhaft bleibenden Eindruck hinterlassen können. Das liegt sicher an der mangelnden Erfahrung, Verletzungen etc. und könnte in Zukunft schon ganz anders aussehen. Sich aber darauf zu verlassen, dass sich diese Spieler weiterhin positiv entwickeln, ist Chance und Risiko zugleich. Wenn sie gute Leistungen weiterhin nur so überschaubar abrufen, wird es für Werder Mittelmaß oder gar Abstiegskampf statt Europa heißen. Bartels war eine der positiven Überraschungen der Saison. Aber auch er überzeugte auf der Zehn nicht durchgehend. Die Messlatte ist in Bremen angesichts der Vergangenheit hoch, beglückten uns einst noch Namen wie Herzog, Micoud, Diego oder Özil auf dieser so wichtigen Position. Natürlich können wir uns keinen fertigen Spieler dieser Kategorie leisten, unter Umständen müssen wir uns aber nach veranlagten Jungs umschauen, die in ihrer Entwicklung schon etwas weiter sind. Weiter als eben Aycicek, Yildirim und Öztunali, der uns ohnehin nicht mehr allzu lange zur Verfügung stehen wird. Grundsätzlich sehe ich das auch nicht als Degradierung unserer Talente, sondern als positiven Konkurrenzkampf, in dem die Spieler voneinander lernen und tagtäglich beim Training gefordert sind. Schließlich sollte doch jeder das Ziel haben, sich in die erste Elf spielen zu wollen.

Namen, die durch die Presse geistern gibt es zuhauf: Omar El Kaddouri, Sofiane Hanni, Alen Halilovic oder Ondrej Duda. Werder sieht Handlungsbedarf. Auch, weil man Junuzovic eher auf den Halbpositionen der Raute sieht – da sehe ich ihn übrigens auch. Ob einer der gehandelten Namen tatsächlich ein Anwärter auf diese Position bei uns ist, kann ich nicht sagen, aber die Suche nach einem OM ist derzeit sicherlich in vollem Gange.

Defensiv sind wir mit Bargfrede, Kroos und Makiadi solide aufgestellt. Allerdings auch nicht besser. Makiadi kommt seit der Dutt-Entlassung nur noch zu sporadischen Einsätzen und dürfte als Streichkandidat gelten. Hier hoffe ich inständig, dass wir einen Abnehmer finden. Seine Verpflichtung hat sich mir nie erschlossen und seine Leistungen haben die für ihn üppigen drei Millionen Euro Ablöse in keinster Weise gerechtfertigt. Die beiden anderen hatten Licht und Schatten. Eigentlich bräuchten wir eine Mischung aus Kroos und Bargfrede. Die Stärken von Bargfrede liegen eindeutig im Defensivverhalten. Er ist robust in den Zweikämpfen, erobert viele Bälle und langt, wenn nötig, auch mal richtig zu. Kroos agiert da schon filigraner, ist passsicherer, verfügt über eine bessere Spielübersicht und den besseren Abschluss. Die Stärken des einen sind leider die Schwächen des anderen. Für eine Raute braucht Werder einen kompletteren Sechser.

Hier würde ich mir Spieler wie Fabian Frei oder Vladimír Darida wünschen. Beide verkörpern den modernen Sechser und sind gute Box-to-Box-Spieler. Sie gewinnen Bälle, leiten das Umschaltspiel zügig ein und haben gute Bewegungsabläufe – defensiv wie offensiv. Dazu haben sie durchaus noch Luft nach oben.

Das Gerücht um Lassana Diarra möchte ich gerne aufgreifen, um einen anderen denkbaren Spielertypen zu beschreiben. Utopisch aufgrund des Gehalts und dennoch gefällt mir die Idee hinter den Überlegungen. Er verkörpert nämlich einen Typen, der Werders Kader gut täte. Ein Sechser von internationalem Format, mit der nötigen Erfahrung, ein junges Team als Stabilisator und Mentor in dieser Umstrukturierungs-Phase zu bereichern. Einer, den nichts mehr erschüttert, der immer noch überdurchschnittliche Leistungen abrufen kann und seine Mitspieler besser macht. Wer es am Ende sein wird? Lassen wir uns von Eichin überraschen.

Fakt ist: Werder muss auf den zentralen Positionen nachbessern, um die Ansprüche Stück für Stück wieder nach oben zu korrigieren und dauerhaft attraktiveren Fußball anzubieten. Das ist zumindest meine Sicht der Dinge.

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