Nils Petersen – ein guter Junge, aber…

In den letzten Tagen ist immer wieder viel über Nils Petersen spekuliert worden. Bleibt er in Freiburg? Wechselt er woanders hin? Oder bekommt er womöglich eine neue Chance in Bremen? Klar ist laut Petersens Aussagen: In die 2. Liga möchte er nicht. Aber sollte Bremen ihn wirklich behalten? Eine Personalie, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden sollte.

Seine Statistiken in dieser Saison sprechen eine eindeutige Sprache – zumindest, wenn man die Zahlen aus Freiburg liest. Über die gesamte Spielzeit gesehen hatte Petersen 731 Einsatzminuten, 509 davon für den Sportclub. In Bremen gelang ihm lediglich ein Assist. In Freiburg brachte er es auf 9 Treffer. Im Schnitt traf er damit alle 57 Minuten. Eine Wahnsinnsquote. Und dennoch: In Freiburg spielte auch ein fitter Petersen nicht die erste Geige. Wirklich gesetzt war im Breisgau lediglich Admir Mehmedi, über dessen Qualitäten, trotz einer durchwachseneren Saison, nicht viel gesagt werden muss. Selbst Karim Guédé wurde unserem smarten Nils häufig vorgezogen. Das kommt, trotzt so einer Statistik, nicht von ungefähr. Kleine Randnotiz: Ich halte Christian Streich für einen sehr kompetenten Trainer.

Ich mag eigentlich gar keine bösen Worte über Nils verlieren, gehört er doch zu den sympathischeren Spielern der Bundesliga. Wenn es nur danach ginge, dann wäre Nils an der Weser bestens aufgehoben. Aber, man mag es kaum glauben, sportliche Qualitäten sind auch nicht unwichtig, im Fußball… Ich vergesse dabei nicht zu erwähnen, dass Petersen in seinem ersten Bundesligajahr als Stammspieler, in München war er das nicht, 11 Tore (34 Spiele) erzielte. Im zweiten Jahr gelangen ihm immerhin noch 7 Treffer (28 Spiele). Es hätten mehrere sein können, gute Chancen vergab er zuhauf. So ehrlich muss ich sein.

Das Bemühen, die notwendige Bereitschaft, das kann ihm niemand absprechen. Sein Kampfgeist ist tadellos, seine fußballerische Klasse dafür leider begrenzt. Er entscheidet keine Spiele durch geniale Momente allein, er umspielt auch keine zwei, drei Gegenspieler mit der lässigen Selbstverständlichkeit unseres Lieblingsperuaners. Bei ihm wirkt alles immer etwas hölzern und unbeholfen. Je schneller das eigene Kombinationsspiel wird, desto weniger kann er effektiv daran teilnehmen. Er braucht ein Team, das sich ohne sein Zutun perfekt bis zum Strafraum durchkombiniert und ihm die Bälle auf Fünfer-Höhe auflegt – idealerweise in Fülle, da nicht jeder Ball sitzt. Ist leider wahr.

Die notwendige Kaltschnäuzigkeit eines guten Stürmers hat er bisher nur in Cottbus gezeigt, in Liga 2. In München zu bestehen war direkt im Anschluss schwer, das nimmt ihm niemand übel. In Bremen waren die Erwartungen an ihn groß. Erfüllen konnte er sie bisher nicht. Seine damalige feste Verpflichtung war zum Großteil den mangelnden Alternativen zu überschaubaren Preisen geschuldet. Ein Fehler war sie, unter den zu berücksichtigenden Umständen, aber nicht.

Sei es drum, ich kann die jetzigen Lobeshymnen einiger „Fachblätter“ nicht teilen. Eine Auferstehung Petersens, aha. Dazu hat er für mich in der höchsten deutschen Spielklasse einfach dauerhaft viel zu wenig gezeigt. Vielmehr hat er es geschafft, sich aus seinem persönlichen Formtief herauszuarbeiten und die nötige Qualität für die Bundesliga angedeutet. Mehr nicht, weniger allerdings auch nicht. Die Sache mit Petersen und Werder sollte eigentlich ziemlich klar sein.

Die Personalie muss auch unabhängig vom möglichen Abgang Di Santos gesehen werden. Petersen wäre mit Sicherheit nicht der Ersatz. Da würde ein qualitativ hochwertigerer Stürmer kommen müssen. Man hat also auch ohne Petersen einen schlagkräftigen Sturm. Mit Di Santo/StürmerX, Ujah und Lorenzen sind bereits gute Leute im Kader. Bei letzterem stellt sich allerdings noch die gesundheitliche Frage. Zudem ist Bartels auch als hängende Spitze immer mal wieder eine sehr gute „Notlösung“. Hinzu gesellen sich hungrige, verheißungsvolle Talente aus der U23, wie etwa Maik Lukowicz, Enis Bytyqi oder Ousmane Manneh. Und dann noch das Gehalt, das Petersen in Bremen bezieht. Es steht in keiner Relation zu seiner sportlichen Relevanz im Verein. Eine Trennung ist daher auch aus finanzieller Sicht ratsam.

Ich bin mir sehr sicher, dass die Verantwortlichen das ähnlich sehen. So deute ich auch die Aussagen von Eichin: „Nils ist kein Spieler, wo du als Verein sagst, den hast du nicht gerne in deinem Kader.“ Eichin ist ein Fuchs, das sollten die meisten mittlerweile wissen. Anderes zu behaupten würde nur den Preis drücken. Einen ernsthaften Interessenten scheint es mit den Ingolstädtern ja zu geben. Wenn also tatsächlich jemand Petersen will, wird Werder ihn verkaufen. Dumm wäre etwas anderes.

Sorry Nils, du bist ein astreiner Junge, dem ich alles Glück der Welt wünsche, aber glücklich werden wir gemeinsam wohl eher nicht mehr…

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4 Kommentare zu “Nils Petersen – ein guter Junge, aber…”

  1. Es hängt auch viel vom System ab, in dem gespielt wird! Ich bin ein großer Petersenfan – ich bin das geworden! Hatte ihn recht heftig kritisiert, wobei die Kritikpunkte auch oben erwähnt wurden. Seine Reaktion darauf war in meinen Augen bemerkenswert. Noch bemerkenswerter war allerdings, dass er sich diese Kritik zu Herzen genommen und ein wenig seine Spielweise verändert hat, was dann doch zu etlichen Toren reichte! Ich sehe Nils auch eher als Joker, so wie es seinerzeit Valdez und Rosenberg waren, die als Joker extrem wichtige Tore gemacht haben, aber in der Startelf zumeist untergingen. Also Nils als Joker behalten und mal schauen, was er draus macht!

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    1. Ich muss sagen, dass er mir ehrlich gesagt zu teuer als Joker ist. Er gehört schließlich zu den Besserverdienenden. Zu Zeiten, in denen Spieler wie Rosenberg oder Valdez den Kader bereicherten, brauchte Werder aufgrund der Dreifach-Belastung auch adäquate Ersatzleute 😉
      Zudem hatte Rosenberg eine deutlich höhere Qualität als Petersen, zumindest finde ich das.

      Hier gehen unsere Meinungen ausnahmsweise mal auseinander, aber auch das darf mal sein 😉

      LG

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  2. Wenn ihr Nils nicht einmal ne Chance gebt ja dann frage ich mich seit ihr wirklich Werder Fans ?? Werder Fans würden es immer versuchen jemanden eine Chance zu geben . Ich mag Nils sehr seine Sympatische Ader passt sehr gut zu Werder. Ihr habt alle von Ihm Wunder erwartet nach seiner Verletzung . Wollte mal wissen ob ihr auch gesundheitlich nach einer Krankheit wieder voll fit seit ?? ER war in Freiburg wieder genesen und konnte alles bringen !! Petersen gehört zu Werder und ich würde mir wünschen das Eichin nicht den Fuchs spielt sondern auch mal jemanden wieder ne Chance gibt . Wer weiss ob di Santo doch vilt weg will, und wenn Petersen auch weg ist wird es für Werder wieder vorne still und wir spielen wieder gegen den Abstieg .Wir brauchen auch Spieler wie Petersen !! und ich bin gegen ein Verkauf des Spielers ! Selke ist weg. Früher hat man auch Spieler gehalten obwohl sie nicht richtig gut drauf waren mal und haben zum Schluss wieder gepunktet ! Jeder Mensch hat auch mal Probleme und kann halt nicht immer 100% geben !! Wenn ihr das verlangt dann solltet ihr Roboter bauen für Werder !!

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    1. als nils von den Unaussprechlichen vom Alpenrand ausgeliehen war, hat er 11 Tore geschossen! Da war er DER FUSSBALLGOTT! Di Santo hat in seiner ersten Saison bei Werder mehr Karten kassiert als Tore gemacht. Nun hat der Argentinier in der abgelaufenen Saison halt 13 Buden gemacht und es gab/ gibt einen Riesenhype um ihn. Nils wäre auch mit 20 Buden in Bremen geblieben, Franco wird wohl gehen! Deshalb sollte Nils Bremer bleiben!

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