Die Fans als Gewinner einer guten Saison

Eins vorab: Es ist schon ein bisschen schade, dass Werder die Saison 14/15 nicht auf einem einstelligen Tabellenplatz abgeschlossen hat, denn das wäre nach dieser beispiellosen Aufholjagd unter Skripnik sicher nicht unverdient gewesen. Für das persönliche Fan-Ego wäre es wünschenswert, den eigenen Verein endlich wieder in der oberen Tabellenhälfte abschließen zu sehen. Rein sportlich gesehen ist das allerdings ziemlich egal. Ob nun Platz 9 oder 10, das spielt jetzt ohnehin keine große Rolle. Europa ist es nicht geworden, der Abstieg aber auch nicht. 

Vor allem der frühzeitig perfekt gemachte Klassenerhalt ist es, den man diesem Team immer noch hoch anrechnen muss. Skripnik fand dafür schon sehr passende Worte: „Es war großartig, was die Jungs geleistet haben. Das ist unser kleines Wunder. Im Herbst haben wir von allen Seiten gehört, dass wir schon unter der Erde sind.“ Na klar ist immer etwas Enttäuschung dabei, wenn so lange realistische Chancen auf die Europapokal-Teilnahme bestanden. Die vielen Matchbälle, die Werder diesbezüglich hatte, wurden nicht genutzt. Bremer Unvermögen? Oder eher mangelnde Konstanz, die man nach einer so desaströsen Hinrunde auch einfach nicht erwarten darf? Sicherlich ein bisschen von beidem, aber unter´m Strich bleibt es eine absolut zufriedenstellende Saison.

Man denke an den Wechsel von Dutt zu Skripnik, als die Hoffnungslosigkeit aus dem Bremer Umfeld wieder dem Glauben an bessere Zeiten wich. Den Lauf zum Rückrundenauftakt, als plötzlich ein Sieg nach dem anderen eingefahren wurde. In Bremen lief auf einmal alles wieder so viel besser. Eine Sache aber war dauerhaft sehr konstant, und das auf allerhöchstem Niveau: Der Support der Fans!

#junobleibtbremer und aktuell auch #WerderbrauchtDiSanto sind zwei Fanaktionen, die ich so noch nicht erlebt habe und eindrucksvoll zeigen, wieso Werder Bremen die geilsten Fans der Welt hat. Bei Junuzovic war es sicherlich ein Faktor dafür, in Bremen zu verlängern. Wer spürt schon nicht gerne die bedingungslose Liebe der Fans bei einem Verein, in dem man sich auch sonst laut eigener Aussage pudelwohl fühlt? Ob es auch noch für eine Verlängerung von Di Santo reicht? Das werden wir abwarten müssen. Dann dieser überragende Support im Stadion. Zu Hause und auch auswärts, das ist einfach nur phänomenal. Genauso wie der größtenteils respektvolle Umgang mit den Gegnern. Das Verhalten der Bremer beim Abschied von Klopp und Kehl war grandios. Viele Bremer blieben auch nach Spielende im Block und verabschiedeten zwei einzigartige Persönlichkeiten des BVB. Eigentlich sollte sowas zum Fußball-Knigge gehören, aber die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass dieser Umgang miteinander nicht zum Alltag gehört. Da gehen auch die Worte, die Klopp danach für die Fans übrig hatte, runter wie Butter: „Werder ist ein super sympathischer Verein (…) Werder hat Übung darin, dass ihre Trainer lange bleiben. Das war mit Rehhagel so, natürlich auch mit Thomas Schaaf und wird auch hoffentlich mit Viktor Skripnik so sein (…) Ich bedanke mich bei allen Werder-Fans für den Applaus, das ist eine große Wertschätzung.“ Danke, Jürgen.

Bremen verdient es, nicht nur wegen dieser Fans, in Zukunft wieder an die europäischen Pforten zu klopfen. Im Moment werden viele Weichen in diese Richtung gestellt. Bremen scheint wieder den Weg gefunden zu haben, den man mit der nötigen Kontinuität gehen will. Und das ist auch gut so. In Bremen müssen wir wieder die akribischen Arbeiter werden, die einen klaren Plan und klare Strukturen nach außen kommunizieren. Wir haben keine Brauselieferanten, Softwareentwickler oder Automobilkonzerne hinter uns, die uns für den sportlichen Erfolg jegliche Identität nehmen. Keiner gleicht rote Zahlen durch üppige Spenden aus und Transfers in der Größenordnung von über zehn Millionen Euro können wir uns in der Regel nicht einmal in Liga 1 leisten. Bremen ist und bleibt der Traditionalist, der weiterhin als toller Standort durch akribische und ehrliche Arbeit in der Bundesliga bestehen wird. Immer wieder abhängig vom sportlichen Erfolg, der Ausbildung eigener Talente und dem Verkauf starker Spieler. Das ist nunmal der Weg von Werder Bremen und mit diesem Weg fahren wir hier schon immer sehr gut.

Und bei aller Finanzkraft anderer neureicher Vereine: Das, was Werder aus eigenen Mitteln geworden ist, werdet ihr nie sein. Wie heißt es doch so schön: Tradition kann man sich nicht kaufen. Vielleicht den temporären Erfolg, aber es gibt genug Beispiele, bei denen die Gönner die Geduld verloren haben oder einfach immer noch nicht so erfolgreich sind, wie sie es gerne wären. Eine Gefahr sind diese Clubs definitiv, aber ich glaube daran, dass Bremen diesen ganzen Kommerzquatsch dauerhaft überleben wird!

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