7, 8, 9, 10 oder 11 – Totgesagte leben eben doch länger

Saisonfinale. Ein Mal müssen unsere Jungs noch ran. In Dortmund, beim BVB. Wird gar nicht so einfach. Aber schon jetzt darf festgehalten werden: Die Saison war nach vielen Höhen und Tiefen ein Schritt in die richtige Richtung. Werder hat das Rückwärtsgehen eingestellt – endlich. Es ist aber noch ein vorwärts Traben mit wenigen Zwischensprints. Intervalle, die das Team offensichtlich zum Ende der Saison ermüdet haben. 

Als Werder zu Beginn der Rückrunde sehr ordentlichen Fußball spielte, wähnten einige die Bremer bereits auf der Überholspur. Sogar die, die Werders Kader jegliche Qualität längst abgesprochen hatten. Experten eben… Im ursprünglichen Sinne des Wortes überholte Werder tatsächlich einige Vereine, ließ sie sogar dauerhaft hinter sich. Wenn man jedoch ehrlich ist und die grün-weiße Brille absetzt, ist dieser Zustand dem Unvermögen der Konkurrenten geschuldet.

Deren Inkonstanz ließ Werder lange vom europäischen Wettbewerb träumen. Ein Traum, der immer noch nicht ganz ausgeträumt ist. Deren Inkonstanz ist es aber auch, die am Ende auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken lässt. Und seien wir mal ehrlich: Eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte wäre, nach akuten Existenzängsten, ein Erfolg. Werder war wirklich in großer Not, und das ist keine Übertreibung. Wenn es am Ende auf Platz 10 oder 11 hinausläuft wird auch niemand böse sein. Skripnik, Frings, Eichin, Schröder, Bode und Co. machen einen guten Job. Der Mannschaft haben sie wieder so etwas wie ein Herz eingeimpft. Um eine Plattitüde zu bedienen könnte man sagen, dass dort wo Werder dran steht auch wieder etwas mehr Werder drinsteckt. Zumindest mehr, als noch zu Beginn der Saison.

Dabei sind sich im Verein nicht alle immer so grün. Auch ein Grund dafür, wieso der Vertrag mit Thomas Eichin noch nicht verlängert wurde. Auf Fanseite herrscht dafür großes Unverständnis, denn dieser „Eishockey-Typ“, der früher wohl mal einen Puck vor den Kopf bekommen hat und eh keine Ahnung von Fußball hat, hat es vielen Kritikern gezeigt. Kritikern, die jede Stammtischparole zitieren könnten, aber bei seinem Amtsantritt nicht einmal wussten, dass Eichin in 180 Erstligaspielen für Borussia Mönchengladbach auflief. Ein nie enden wollender Kreislauf mit diesen sogenannten Experten…

Nichts desto trotz möchte ich festhalten, dass mir bei all der Lobhudelei, die nicht unberechtigt ist, ein Name oft zu kurz kommt: Rouven Schröder. In der Szene gilt er als absoluter Fachmann und sehr gut vernetzt. Sein Zutun zu Werders neuem Weg erfährt nicht einmal im Ansatz so viel Anerkennung. Das liegt vielleicht daran, weniger Verantwortung zu tragen und medial nicht so präsent zu sein. Eichin wirkt dadurch einfach nahbarer. Wie einer, der in entscheidenen Situationen klar Stellung bezieht und somit als Vater von Misserfolg oder Erfolg gilt. Letzteres ist derzeit der Fall. Wer tatsächlich die bessere Arbeit macht, ob überhaupt jemand die bessere Arbeit macht? Ich weiß es nicht. Wir können das als Außenstehende ohnehin nur durch eine starke mediale Beeinflussung beurteilen. Mein Gefühl sagt mir: Werder sollte genau in dieser Konstellation weitermachen, mit genau diesen Köpfen. Sie unterscheiden sich in gesundem Maße zueinander. Man sieht doch, dass eine Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität einen Verein nicht weiter bringt. Selbstredend sehne ich mich nicht nach so chaotischen Zuständen wie beim HSV, wo eine Kurzschlussreaktion die nächste jagt. Ich rede davon, dass Entscheidungsträger konstruktiv über unterschiedliche Ideen sprechen, nicht zu sehr in der Vergangenheit verharren, Fortschritt vorleben und auch so manchen neuen Wegen positiv entgegenblicken. Nur so kann Werder Bremen sportlich und wirtschaftlich auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben. Meine Meinung. Zu der stehe ich.

Um zurück zur Saison 2014/2015 zu kommen: Sie ist in Anbetracht aller Umstände erfolgreich verlaufen. Auch zu dieser Meinung stehe ich. Egal, ob es am Ende Siebter, Achter, Neunter, Zehnter oder Elfter heißt. Der Fokus liegt bereits jetzt auf der kommenden Spielzeit, in der das Trainerteam erstmals die Sommervorbereitung leiten wird. Mit Spielern, die auch ihren Anforderungen entsprechen. Man darf gespannt sein, wie der Kader dann aussieht. Zu den bereits feststehenden Abgängen werden weitere dazu stoßen, die durch neue Leute ersetzt werden. Ich bin allerdings sehr optimistisch und glaube fest daran, dass Werder Bremen in der neuen Saison eine schlagkräftige und funktionierende Truppe beisammen hat. Eine Mannschaft, die von Anfang an konstanter agiert, nichts mit dem Abstieg zu tun hat und mit etwas Glück, das hat diese Saison gezeigt, um internationale Plätze spielt. Okay, die grün-weiße Brille nimmt man bei allem Optimismus wohl doch nie ganz ab. Aber wieso auch? In erster Linie bleiben wir doch alle Fans, die ihren Verein gerne siegen sehen. Und wenn er es mal nicht tut, dann stehen wir trotzdem voll hinter ihm. Leid sind wir ja gewohnt. Drum schätzen wir den Erfolg auch so sehr. Jetzt gilt es aber noch die Saison ordentlich gegen den BVB zu Ende zu bringen und nochmal zu zeigen, wie lange Totgesagte tatsächlich leben können.

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2 Kommentare zu “7, 8, 9, 10 oder 11 – Totgesagte leben eben doch länger”

  1. Saisonfinale

    Wie spannend doch diese Saison verlief.
    Manches ging gut und manches ging schief.
    Mal siegte man, wenn niemand das hätte gedacht,
    ein anderes mal wurden dumme Fehler gemacht.
    Doch insgesamt war mehr gut als schlecht-
    und das ist uns Fans auf jeden Fall recht!
    Egal, wie das letzte Spiel ausgeht,
    zum loben ist es – Gott sei Dank – nicht zu spät.
    So oft gekämpft und nur selten aufgegeben,
    oft auch Pech gehabt, weil die Schiris lagen daneben.
    Am Ende, das sah man, da fehlte manchmal die Kraft.
    Nur dies eine mal noch, dann ist es geschafft!
    Dann ist die Saison 2014/2015 um
    und am Ende wird man sehen, was kam dabei herum.
    Niemand wird Euch beschimpfen, erreicht Ihr nicht jedes Ziel.
    Das, was Ihr erreicht habt, ist unfaßbar viel!
    Ihr habt es erreicht, weil Ihr Euch angestrengt habt
    und jeder, wenn es irgendwie ging, sein Bestes gab.
    Ihr Spieler, die Trainer, die Physios, der ganze Verein.
    Und nur so kann es gehen, alle zusammen und keiner allein!
    Für das letzte Saisonspiel wünsch ich wie immer viel Glück!
    Und kommt, wenn es geht, mit 3 Punkten zurück!
    © Heipa Wiwi

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