Fritz verlängert – weil er´s kann!

Seit heute ist es offiziell: Unser Kapitän, Clemens Fritz, will und kann noch ein Jahr. Ohnehin schien die Verlängerung seines Kontrakts um ein weiteres Jahr seit langem nur noch Formsache zu sein. Ich habe mich bereits in einem älteren Artikel („Noch ein Jahr für Fritz?“ vom 28. Februar) für seinen Verbleib ausgesprochen, weil er durch meine Brille gesehen tatsächlich nochmal zum absoluten Führungsspieler in vielen Belangen aufgestiegen ist. Auf und neben dem Platz ist der „alte Mann“ wieder unumstritten und absolut wichtig – überraschenderweise. 

Seit er regelmäßig ins Mittelfeld vorgezogen wurde, spielt er sogar fast wieder auf dem 2006er- bis 2008er-Niveau. Das waren seine Glanztage in Bremen, aus denen er sich danach fast schon katapultartig verabschiedet hat. Kometenhaft wie sein Aufstieg, verlief auch der sportliche Einbruch – parallel zur Abnahme der gesamten Kaderqualität in Bremen. Fritz wurde vom Nationalspieler zum „gewöhnlichen Leistungsträger“, vom Leistungsträger zum Mitläufer und schlussendlich vom Mitläufer zum Sündenbock. Viele Spielzeiten wirkte er auf mich wie ein desorientierter Hemmschuh, der die Entwicklung eigener Talente blockierte und nur aufgrund seiner Pseudo-Routine zu Einsatzzeiten kam. Auch vielen Fan-Stimmen war zu entnehmen, dass er jeglichen Kredit längst verspielt hatte. Zu fehleranfällig, zu langsam, einfach nicht mehr bundesligareif – so in etwa klang der niederschmetternde Grundtenor.

Ich gestehe: Auch ich wollte ihn lieber gestern als morgen mit der sprichwörtlichen Schubkarre aus Bremen hinausbefördern. Heute muss ich zugeben: Gott sei Dank habe ich den Versuch nicht ernsthaft unternommen. Es hat nichts damit zu tun, ein Gute-Laune- oder Schönwetter-Fan zu sein, denn das bin ich nicht. Ich wende mich nicht vom Verein ab, wenn es schlecht läuft, sondern versuche ihm dann im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, genauso wie andere „ehrliche“ Fans, noch mehr Rückendeckung zu geben. Das Wohl des Vereins steht für mich aber jederzeit über dem Schicksal einzelner Spieler. Temporäre Begleiter sorgen zwar für die mitunter schönsten Momente, aber letztlich bleibt der Verein die Konstante, dem die Fan-Liebe bedingungslos gilt. Auch wenn es durchaus Fußballer gibt, denen man, auch aufgrund ihrer persönlichen Geschichte im Verein, eine ähnlich hohe Wertschätzung entgegenbringt.

Fritz ist ein Spieler, dem ich diese Leistungsexplosion nicht mehr zugetraut hätte. Wer sich aber die letzten Werder-Spiele angeschaut hat, wird nicht drumherum kommen, den Hut vor seinen Leistungen zu ziehen. Bremen spielt besser, wenn Fritz auf dem Platz steht. Er rackert, gewinnt wichtige Zweikämpfe, motiviert und nimmt an der Spieleröffnung teil. Er macht endlich das, was durch seine Erfahrung, aber auch seine Klasse, schon viel früher möglich gewesen wäre. Mangelnde Geschwindigkeit kompensiert er mit dem richtigen Gespür für Spielsituationen, die Wichtigkeit körperlicher Fitness lebt er gegenüber Mitspielern mustergültig vor. Nur so kannst du in diesem Alter, der Mann wird 35, konstant gute Leistungen abrufen. Der „Alte“ ist auch endlich wieder ganz der Alte. Eben der alte Clemens Fritz, den Mitte bis Ende der 2000er alle noch als ablösefreien Top-Transfer gefeiert haben.

Ich weiß nicht, ob er diese Leistung kompensieren kann, aber diese einjährige Vertragsverlängerung macht aus vielen Gründen Sinn. Er könnte nach wie vor als wichtiger Spieler für die nächste Saison das Gerüst des Teams bilden oder aber eine mindestens solide Alternative bei verletzungsbedingten Ausfällen, Formtiefs und Sperren sein. Er gilt als verlängerter Arm des Trainers, der einen guten Ruf bei seinen Mitspielern genießt. Jungen Spielern dient er als Mentor und Motivator. Eigenschaften, die diese Verlängerung absolut rechtfertigen. Ich bin froh, dass er noch ein Jahr bleibt. Man, wer hätte noch vor einigen Monaten gedacht, dass ich das mal schreiben würde… Und er freut sich sicher auch, noch ein Jahr lang mit einer motivierten und talentierten Truppe weiterarbeiten zu können – so hören sich zumindest seine O-Töne gegenüber den Medien an.

Also dann Clemens, reiß Dir noch eine Saison lang den Arsch für uns auf und führ die jungen Wilden auf das nächste Level. Wir Fans werden es Dir danken!

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