Thomas Schaaf – der besondere Gast

Am Wochenende gastiert die Eintracht in Bremen. Eigentlich ein ganz gewöhnliches Bundesligaspiel, eigentlich. Wäre da nicht dieser stoisch anmutende Alte auf des Gegners Bank, der ein gewaltiges Stück Bremer Geschichte verkörpert: Thomas Schaaf. Der Alte, das soll keineswegs als abfällig missverstanden werden, sondern lediglich aufzeigen, dass es sich um ein gestandenes Mannsbild handelt, das im Fußball nahezu alles erlebt hat. Als junger Bursche wechselte er 1972 in die Jugend von Werder und erlebte fortan eine beispiellose Karriere mit Höhen und Tiefen im Verein. Über die Jugendmannschaften in den Profikader und letztlich auf die Bank als Cheftrainer. Cheftrainer des SV Werder Bremen. Für 14 Jahre. In Worten: Vierzehn! Heute unvorstellbar.

Auch, wenn er gegen Ende seiner Amtszeit in Bremen müde und teils sehr dünnhäutig daherkam: Schaaf ist in Bremen als Spieler, Trainer, vor allem aber als Mensch, unantastbar. Er war kein Marktschreier wie Jürgen Klopp und baute zu Medienvertretern selten ein gutes Verhältnis auf. In der aufgezwungenen Königsklassen-Robe versprühte er nicht den Glanz eines „Miasan-Pep“ Guardiola. Vielmehr wirkte er wie ein Ruhepol, der in seiner gewohnt hanseatischen, leicht unterkühlten Art sein Ding macht. Aber selbst ein Thomas Schaaf leistete sich den ein oder anderen Tobsuchtsanfall. Als Außenstehender hatte man jedoch selten das Gefühl, dass dies gerade unangebracht sei.

Böse war man ihm selten. Vielleicht, weil er einen für dieses Geschäft so untypischen Weg eingeschlagen hatte. Konstant bei einem Verein. Für Fußball-Nostalgiker wirkt so etwas ja mitunter sympathisch. Imponiert hat es allemal.

Am Wochenende gastiert Schaaf erstmals als Gegner im Weserstadion. Das ist neu. Aber auch irgendwie seltsam. Es ist, als würde der verlorene Sohn heimkehren – zumindest für einen kurzen Augenblick. Sympathiewellen werden ihm entgegenschwappen, und doch wird er wieder gehen.

Thomas Schaaf, Trainer von Eintracht Frankfurt, Gegner von Werder Bremen. Man wird sich weiter daran gewöhnen müssen. Ich muss gestehen: Das fällt mir noch schwer. Wenn ich an Thomas Schaaf denke, dann denke ich an jenen Moment des Double-Jahres, als er freudenstrahlend aus der Cockpit-Luke eines Flugzeugs schaute – mit Kamera und Werderfahne. Auch an witzige Dinge, wie das Trainingslager mit Arnd Zeigler und die unzähligen trocken Antworten auf die Fragen von Moderatoren und Reportern. Schaaf gehört für mich nach wie vor zu Bremen. Daran ändert sich auch für die Zukunft nichts. Ich werde ihm dort alles Gute wünschen. Außer dann, wenn er als Gegner ins Weserstadion kommt.

Zum Abschluss noch ein paar seiner legendären O-Töne während seiner Werder-Zeit:

Reporter: „Gibt es im harten Geschäft Bundesliga auch mal was zu lachen für Sie?“

TS: „Ja, aber dann gehe ich in den Keller.“

Johannes B. Kerner: „Thomas Schaaf, Sie gelten als dröge, mundfaul und unterkühlt. Stimmt das?“

TS: „Deswegen haben Sie mich ja heute eingeladen.“

Reporter: „Wo werden Sie am morgigen Länderspielabend zu Beobachtungen unterwegs sein?“

TS: „Mein Wohnzimmer ist nicht so groß. Ich werde sicher mal hier und da hin laufen, aber immer mit Blick auf den Fernseher.“

Reporter fragt TS, ob man Ailton nach seiner verspäteten Rückkehr aus dem Urlaub jetzt bestrafen müsse.

TS: „Sie können ja auch nicht zu ihrem Kind sagen, so nu is Schluss und jetzt helfe ich dir nicht mehr!“

Reporter: „Und wie helfen sie ihm?“

TS: „Indem wir ihn bestrafen!“

Reporter: „Herr Schaaf, wie lautet Ihr Wunschergebnis gegen Basel?“

TS: „Ein 25:0 wäre nicht schlecht.“

Thomas Helmer: „Nach den vielen Verletzungen in der letzen Woche, wie wird Ihre Abwehr denn heute aussehen?“

TS: „Gut.“

Reporter: „War Konzentration der einzige Grund für den Sieg?“

TS: „Ne, ich denke wir haben auch ein bisschen Fussball gespielt“

Reporter: „Was haben sie gedacht, als Udine das 3:3 machte?“

TS: „Wird noch mal eng…“

Reporter: „Würden Sie das Angebot einer guten Fußball-Fee annehmen, die Ihrem Team ein Unentschieden gegen den FC Barcelona sicherstellen würde?“

TS: „Es kann nicht unser Ziel sein, einer guten Fee zu begegnen.“

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