Sieben

Sieben, damit meine ich nicht etwa das Meisterwerk von Starregisseur David Fincher. Auch geht es mir dabei nicht um die sieben Todsünden, wenngleich eine Niederlage der Bremer gegen den HSV einer solchen Sünde, überspitzt gesagt, sehr nahe gekommen wäre. Meine Hauptprotagonisten heißen nicht Brad Pitt, Morgan Freeman oder Kevin Spacey. Sie hören auf die Namen Franco di Santo, Zlatko Junuzovic oder Alejandro Galvez. Sieben, das ist die Zahl, die in der Bundesligatabelle vor dem SV Werder Bremen aufblitzt, ja förmlich funkelt. Werder, nach großen Teilen der Hinrunde als bundesligauntauglich deklariert, träumt von Europa. Und fünf Spieltage vor Schluss ist das als Tabellensiebter legitim. Eine Parallele zum Film „Sieben“: Auch bei Werder Bremen handelt es sich um einen spannenden Thriller bis zum Schluss – Ende ungewiss.

Dabei könnte der Umstand, der Bremen auf diesen siebten Platz befördert hat, kaum erfreulicher sein: ein Sieg gegen den HSV. Der Derbysieg als 500. Heimsieg der Bundesliga-Historie. Ein Tor von Publikums-Liebling Franco Di Santo. Und wer weiß: Vielleicht der letzte nötige Dolchstoß, der die Hamburger endlich in Liga 2 schickt. Dieser Abstieg wäre mehr als verdient. Ich würde das Derby definitiv vermissen, aber dieses ständige Gerede vom Dino und der Bundesligauhr, diese grenzenlose Selbstüberschätzung, das ist kaum mehr zu ertragen. „Hamburg hat Potential“, „Hamburg gehört nach Europa“, „langfristig gibt es hier wieder Spitzenfußball“, „blabla…“. Für mich gehören die Hamburger nächste Saison in die Zweitklassigkeit, Punkt. Mindestens, um den eigenen Realitätssinn wieder zu schärfen. Danach dürfen sie die sechs Punkte pro Saison gerne wieder als Bundesligist an Bremen abtreten. Dauerhaft würden mir die Hamburger fehlen, das gebe ich offen zu. Schließlich haben die Kölner zwar den Karneval, aber der HSV die dazu passende Truppe. Vorerst bleibt es aber dabei: „Time to say goodbye, HSV.“

Und: „Hello to Europe, Werder?“ Das bleibt ein sehr steiniger Weg. Auch wenn der siebte Tabellenplatz ausreichen sollte, ist das Verteidigen dieses Platzes schwierig genug. Paderborn, Frankfurt, Hannover, Gladbach und Dortmund heißen die letzten fünf Gegner. Für alle geht es noch um viel und drei Mal muss Werder auswärts ran. Zudem hat das Derby trotz des erfreulichen Sieges aufgezeigt, dass Werder noch nicht so stark ist, wie es in der Rückrunde phasenweise erschien.

Positiv gegen den HSV: Der überfällige Torwartwechsel und die Verordnung eines Innenverteidigers auf die linke defensive Seite. Casteels wurde zwar nur selten geprüft und doch strahlte er Ruhe aus, fing viele Flanken ab und zeigte sich auf der Linie sicher. Prödl hat über links vorwiegend ordentliche Defensivarbeit geleistet, sich aber immer mal wieder mit nach vorne eingeschaltet. Wirklich starke Flanken durfte man nicht erwarten. Dennoch verlieh diese Variante der Abwehr deutlich mehr Stabilität. Spielerisch konnte Werder nur sehr selten glänzen. Das Spiel wurde zwar dominiert, Lösungen für das Angriffsspiel aber zu selten gefunden. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit scheiterte Selke beim ersten gut herausgespielten Angriff der Bremer. Bis auf die Situation, die zum Elfmeter führte, gab es keine weiteren nennenswerten Spielzüge. Bartels fehlt dem Bremer Spiel sehr deutlich. Durch sein hohes Laufpensum schafft er viele Räume für Mitspieler. Darüber hinaus verfügt er über die nötige Technik und Spielübersicht um seine Teamkameraden gekonnt in Szene zu setzen. Qualitäten, die Werder derzeit fehlen. Öztunali, Aycicek und Yildirim zeigen alle schon gute Ansätze, können ein Spiel bisher aber nicht dauerhaft lenken. „Ötzi“ muss man da natürlich nach seiner langen Verletzungspause noch sehr gesondert bewerten.

Der größte Faktor, der tatsächlich für Platz 7 am Ende der Saison sprechen könnte: die Ausgeglichenheit der Liga – zumindest ab Schalke abwärts. Hier zeigt niemand die Konstanz, die ihn zwangsläufig zu einem Favoriten auf die Europa League-Plätze macht. Darin liegt auch die Hoffnung für das Werder-Wunder begründet. Darin, ass die einzige Konstante aller Konkurrenten ihre Inkonstanz bleibt. Dann kann Werder dieses Wunder tatsächlich packen. Und ein Wunder wäre das nach der Hinrunde wirklich…

Werden wir zu gierig? Ich weiß es nicht, aber wer hätte sein Team nicht gerne in Europa? Schließlich kann es maßgeblichen Einfluss auf wichtige Spielerpersonalien haben. Damit beziehe ich mich auf Spieler, die Werder halten möchte, aber auch auf mögliche Neuverpflichtungen, die sich gegen anderen Vereinen und pro Bremen entscheiden sollen. Europa könnte somit einen maßgeblichen Einfluss auf die Kadergestaltung zur neuen Saison haben. Heißt: Sieben, das ist der Platz, auf dem ich Werder gerne auch nach dem 34. Spieltag sehen würde.

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2 Kommentare zu “Sieben”

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