Werders Promblemzone Nummer eins

Eigene Spieler durch den Kakao ziehen? Das ist eigentlich nicht die feine Art, vor allem auch nicht meine. Drum versuche ich auf eine moderate Art und Weise einen Missstand anzuprangern, der sich in Bremen wie ein roter Faden durch die Post-Wiese-Ära zieht. Ich spreche dabei bewusst von der „eigentlich“ feinen Art, denn dieses belanglos wirkende Adverb verdeutlicht die Halbherzigkeit meiner vielleicht gut gemeinten Absicht. Den meisten wird klar sein, dass Raphael Wolf der Protagonist dieses Artikels ist. Ein feiner, witziger und absolut sympathischer Junge – umso ärgerlicher, meine nächsten Gedanken tatsächlich in Worte zu fassen und sie mit euch zu teilen. Positiv fallen sie leider nicht aus…

Womit fange ich am besten an? Vielleicht sollte ich doch versuchen, die ein oder andere rosige Umschreibung zu wählen, um nicht gänzlich über das Ziel hinauszuschießen. Ich versichere euch: Das ist selbst heute, einen Tag nach der Niederlage in Stuttgart, noch nicht einfach. Gestern wäre ich emotional wohl noch fehlgeleiteter gewesen. Raphael Wolf ist als Profi ein Typ, dem sein stetiges Bemühen durchaus attestiert werden darf. Nachhaltig hat er aber noch nicht gezeigt, wieso dauerhaft auf ihn als Bundesligatorwart gebaut werden sollte. Da retten ihn auch nicht ein, zwei bessere Spiele pro Saison davor, ihm die Tauglichkeit für Werder Bremen absprechen zu müssen. Die Masse seiner Spiele steht bestenfalls für unteren Durchschnitt bis zur absoluten Untauglichkeit.

Gerne erinnere ich mich an Leute wie Tim Wiese, Andi Reinke oder Frank Rost zurück. Ich wähle bewusst diese drei Charaktere, weil sie alle nicht zu weit zurückliegen und meiner Meinung nach wesentliche Attribute verkörperten, die ein Spitzentorhüter haben muss – vor allem Ausstrahlung. Sie waren kantig und ließen forschen Worten Taten folgen. Allesamt waren sie vertrauensvolle Rückhalte, die Ruhe und Sicherheit für eine ganze Mannschaft ausstrahlten. Sie hielten auch mal einen Unhaltbaren und konnten Spiele gewinnen wenn es drauf ankam. Davon ist Wolf Meilen, vielleicht sogar Lichtjahre, entfernt. Die Häufigkeit der völlig unerklärlichen Aussetzer ist erschreckend und fand am Wochenende in Stuttgart, nach einem kurzen Lichtblick gegen Mainz, eine konsequente Fortsetzung. Aber er ist doch ein guter Typ, der Rapha… Egal, dass er statistisch gesehen mit die wenigsten Torschüsse abwehrt, kaum Großchancen vereitelt, kaum Elfmeter pariert, Unhaltbare stets unhaltbar erscheinen lässt, den Strafraum so gut wie Ailton die deutsche Sprache beherrscht. Man mag ihm ja schon gar nicht vorwerfen wollen, dass er nicht annähernd an die Leistung der drei Genannten kommt, wenn er Werder in dieser Saison nicht nur so viele Punkte kosten würde. Zur echten Bundesligagröße, und das muss knallhart gesagt werden, fehlt ihm das Talent. Er ist allenfalls eine Nummer Zwei. Wohl eine Steigerung zu Mielitz, wenngleich auch nur eine kleine.

Nun lag die Niederlage in Stuttgart wahrlich nicht nur an ihm, da auch der Rest einen geschenkten Tag hatte. So ein Patzer ist in engen Spielen allerdings einer dieser ausschlaggebenden Faktoren, die zwischen Punkten oder keinen Punkten entscheiden. An dieser Stelle mache ich nun Halt mit meiner Kritik, da ich mich deutlich genug positioniert habe. Zudem kann ich mir denken, dass das Bundesligageschäft, trotz hoher Verdienste der Sportler, eine hohe psychische Belastung darstellt. Ich weiß nicht, wie jeder damit umgeht, denke mir aber, dass Spieler völlig individuell davon beeinflusst werden. Die einen juckt es nicht, andere zerbrechen am Druck, der medial und von Fanseiten ausgeübt wird. Dieser Artikel ist sicher keiner, der Balsam für Wolfs Seele ist und trotzdem hatte ich das Bedürfnis danach, ihn zu schreiben. Er drückt meine Gefühlslage aus und soll nicht zur Demontage von Raphael Wolf als Person dienen. Dennoch erwarte ich, dass das Trainerteam auch auf der Torhüterposition das Leistungsprinzip walten lässt und Casteels auch in der Bundesliga die Chance gewährt, uns zu zeigen, ob Wolf wirklich unsere derzeit beste Option zwischen den Pfosten ist. Ich habe meine Zweifel daran…

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