Ein wichtiges Spiel gegen unberechenbare Schwaben

Bremen gegen Stuttgart – das ist, egal was die aktuelle Tabellenkonstellation aussagen mag, so etwas wie eine Wundertüte der Bundesliga. Ein Spiel, das in der Vergangenheit oft wildeste Ergebnisse und Spielverläufe lieferte, egal ob man sich auf Augenhöhe begegnete oder nicht. Es gibt sie eben, diese verrückten Begegnungen, die im Vorfeld nur schwer einzuschätzen sind. Dieses Aufeinandertreffen zweier Traditionalisten ist für mich so ein konkreter Fall. 

Die aktuelle Tabelle lügt jedoch nicht: Während das Abstiegsgespenst längst aus Bremen vertrieben scheint, schrillen in Stuttgart weiterhin alle Alarmglocken. 23 Punkte heißen nach 27 Spielen Platz 18 – noch hinter Paderborn, und leider auch hinter dem HSV. Für Stuttgart wird es wahnsinnig eng. Der erste Abstieg seit der Saison 74/75 scheint unvermeidbar – und jetzt kommt Werder. Obwohl Werder selbst in den vergangenen sechs Spielen nur magere sechs Punkte vorzuweisen hat, ist man in diesem Spiel alles andere als ein Außenseiter – eigentlich vielmehr der Favorit. Denn Stuttgart zu Hause, das ist diese Saison mit der Beziehung zwischen Claudia und Stefan Effenberg zu vergleichen. Man versucht es immer wieder, will das Glück erzwingen und steht am Ende mit leeren Händen da. Einen einzigen Heimsieg gab es bei elf Versuchen. Den allerdings im letzten Heimspiel gegen die Eintracht – acht Tage nachdem auch Claudia und Stefan Elfenberg ihrem Liebes-Comeback näher kamen… Obacht, denn das Paar ist heute wieder zusammen und wird es womöglich bis Sonntag bleiben…

Werder ist allerdings seit fünf Spielen gegen die Stuttgarter ungeschlagen, drei Unentschieden bei zwei Siegen. Betrachtet man jedoch lediglich die letzten acht Gastauftritte setzte es bei den Schwaben auch satte 26 Gegentore, im Schnitt 3,25 pro Spiel. Die ernüchterndsten Niederlagen bei diesen acht Auswärtstouren:

1:4 am 13.04.2012

0:6 am 07.11.2010

1:4 am 04.10.2008

3:6 am 08.03.2008

1:4 am 10.02.2007

Nunja, das ist Vergangenheit, jedes Spiel ist anders und Statistiken sind unwichtig. Das lehrte uns doch schon Werner Hansch in seinen besten Tagen: „Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“ Wir lernen: Statistiken dienen nur dazu, um sich im Vorfeld als Möchtegern-Experte auszuweisen und im Nachhinein eventuell sagen zu können: „War doch klar, wenn man sich mal die Statistiken angeschaut hat…“ – oder auch nicht…

Die Realität sieht wohl so aus: Bremen mischt tatsächlich im Kampf um Europa mit und hat ein Restprogramm, in dem man, bis auf die Spiele gegen Gladbach und Dortmund, als leicht favorisiert gilt. Die Hoffnung auf Europa ruht vor allem auch darin, dass Bayern und Wolfsburg noch im DFB-Pokal mitmischen. Sollte eines dieser beiden Teams den Pott gewinnen, was nicht unwahrscheinlich ist, würde der siebte Tabellenplatz zum Einzug in die Europa League-Qualifikation reichen. Häh, früher war der Finalist doch auch immer dabei, wenn der Gewinner eh schon unter den ersten sechs Bundesligisten platziert war, oder nicht? Richtig, aber das ist in dieser Saison erstmals anders. Heißt: Wenn Bielefeld beispielsweise ein Finale gegen Bayern verliert, dann wäre man noch im letzten Jahr in die Europa League eingezogen. Dieses Saison würde die bloße Finalteilnahme nicht ausreichen. Der zu vergebene Platz würde automatisch an den Siebten der Bundesliga gehen. Gut für Werder!

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Das macht das Spiel in Stuttgart noch wichtiger, denn die Konkurrenz kann nicht immer pro Werder spielen – wie am vergangenen Spieltag. Eigene Siege sind Pflicht und in den nächsten Spielen nicht unrealistisch. Man sollte aber auch die Hinrunde nicht vergessen, als Werder gerade zu Beginn schon als klinisch tot galt. Da gilt immer noch jede Platzierung außerhalb des Abstiegs als gesunde Rehabilitierung des Vereins. Die letzten Wochen haben allerdings gezeigt, dass Werder mehr kann als nur gegen den Abstieg zu spielen. Es sind zwar immer noch Träumereien, sie scheinen aber wieder so realistisch wie lange nicht mehr.

So what: Ganz egal, ob Claudia und Stefan noch zusammen sind, ob Werder in Stuttgart schon oft untergegangen ist, ob Chinesen über den Platz laufen oder nicht – die Bremer müssen nach Stuttgart reisen, sich den Arsch aufreißen, als Team auftreten und drei Punkte mitnehmen. Dann, und nur dann wachsen die Bäume in Bremen vielleicht schon dieses Jahr wieder höher. Ich würde es mir wünschen.

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