Werders Top-Elf seit 2000

Welcher Fan kennt es nicht: Spieler kommen und in der Regel gehen sie auch irgendwann wieder. Einigen trauert man nach, anderen weniger. Aber wie würde so eine Werder-Elf aussehen, wenn man versuchen würde, für jede Position den besten Werder-Spieler aller Zeiten aufzustellen? Eine sehr, sehr schwierige Aufgabe, wie ich finde. Um ehrlich zu sein, zu schwierig. Um das Ganze etwas zeitgemäßer und überschaubarer zu gestalten, werde ich versuchen, die stärksten Werder-Spieler seit dem Jahr 2000 in einem 4-4-2 mit Raute aufzustellen. Natürlich ist das nur meine persönliche und damit eine rein subjektive Einschätzung. Nicht jeder wird mit der Auswahl zufrieden sein, aber jeder wird merken, dass es selbst ab dem Jahr 2000 gar nicht mal so einfach ist, 11 Spielern den Vortritt vor vielen anderen zu gewähren. 

Damit ist bereits klar, dass Werder-Legenden wie „Pico“ Schütz, „Eisenfuß“ Höttges, Mirko Votava, Rudi Völler, Wynton Rufer und viele andere keine Berücksichtigung in dieser Elf finden. Aber nun Butter bei die Fische: Wer schafft´s in meine Elf?

Tor: Tim Wiese

Obwohl mit Reinke und Rost zwei sehr starke Torhüter nach 2000 im Werder-Kader standen, führt für mich kein Weg an Tim Wiese vorbei. Egal, ob Toaster-Abonnement, ein viel zu lange nachhallender Patzer gegen Juventus oder seine polarisierende Art, auf der Linie gab es kaum bessere Keeper als unseren Tim. Getreu dem Motto „hate him or love him“ entscheide ich mich als Bremer natürlich für die zweite Option. Juventus ausgenommen, waren es nämlich vor allem die großen Spiele, in denen auch ein Tim Wiese Größe zeigte. Er war nicht einfach nur ein sicherer Rückhalt, oft war er derjenige, der Siege festhielt. Defizite hatte er lediglich bei der Strafraumbeherrschung. Alles in allem gehörte er aber zu den überdurchschnittlichen Torhütern der Bundesligageschichte, die nicht nur ein Mal einen Unhaltbaren gehalten haben.

Linker Verteidiger: Paul Stalteri

Werder Bremen und der passende Linksverteidiger. Eine Geschichte, die in Bremen oftmals zum Haare raufen war. Wir sind auf dieser Position nicht gerade verwöhnt. Fehlinvestitionen, wie Gustavo Nery, Jelle Van Damme, Dusko Tosic oder Aymen Abdennour waren dort an der Tagesordnung. Umso erstaunlicher, dass Letztgenannter sich mittlerweile auf einer neuen Position zu einem der besten Verteidiger Frankreichs entwickelt hat. In der französischen Ligue 1 wurde Aymen Abdennour zum Innenverteidiger umgeschult und überzeugt derzeit auch im starken Ensemble des AS Monaco – aber das ist eine andere Geschichte. Meine Wahl für Werder Bremen fällt hier auf den Kanadier Paul Stalteri – und das, obwohl er nicht einmal ein gelernter Außenverteidiger war und sein erstes Bundesligaspiel noch als Stürmer absolvierte. Ihn sehe ich vor Victor Skripnik, Christian Schulz, Pierre Womé oder Andree Wiedener. Stalteri war nicht einfach nur der perfekte Allrounder, er hatte unter allen soliden bis besseren Linksverteidigern die meisten Ausreißer nach oben. Ihm wurden zwar stets große Defizite bei seinen Flanken nachgesagt, aber defensiv war er vor allem durch gutes Stellungsspiel und seine gesunde Zweikampfhärte eine Bank. Und genau deshalb habe ich mich für ihn entschieden.

Die Innenverteidigung: Valérien Ismaël und Naldo

Wenn man sich allein bis an das Jahr 2000 zurückerinnert, hatte Werder ziemliche Kracher auf dieser Position unter Vertrag. Die Wahl für diese beiden Herren fiel mir deshalb besonders schwer. Am Ende behielten sie vor fünf anderen sehr starken Konkurrenten die Nase vorn: Mladen Krstajic, Frank Verlaat, Per Mertesacker, Sokratis und Frank Baumann, der als Innenverteidiger oder Sechser gleichermaßen stark war. Wieso aber diese Zwei? Ismaël war im Defensivverhalten der stärkste Bremer, den ich bis heute erlebt habe – ein Manndecker par excellence. Die Erwartungen an ihn waren zu Beginn nicht groß, doch die Leistungen, die er zeigte, überragend. Neben Mladen Krstajic war es vielleicht die Stärkste Paarung, die es in Bremen real gegeben hat. Hinzu kommt, dass er nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes überzeugen konnte. Schon nach kurzer Zeit sprach er ein sehr verständliches Deutsch und entwickelte sich zu einem echten Leader, dessen nächster logischer Schritt leider sein Engagement in München war. Schade, dass seine Karriere danach durch diverse Verletzungen nicht mehr auf höchstem Niveau weitergehen konnte. Als Partner habe ich mich für Naldo entschieden, der nach leichten Startschwierigkeiten eine wahnsinnig positive Entwicklung in Bremen hingelegt hat. Er erinnerte von seiner Spielanlage an Lucio, verfügte über eine gute Spieleröffnung und ein ebenso gutes Stellungsspiel. Unsere brasilianische Frohnatur war durch seine enorme Kopfball- und Freistoßstärke auch offensiv immer wieder ein wichtiger Faktor. In Wolfsburg wird man froh sein, so einen Spieler in den eigenen Reihen zu haben.

Rechter Verteidiger: Ümit Davala

Yallah, yallah Ümit Davalla hallte es durch die Fankurve, wenn er am Ball war.  Der Türke war einer dieser Spieler, die in Bremen endgültig für ein Umdenken standen. In der Tabelle sollte der Blick nach oben gerichtet werden. Offensiv formulierte er seine Ziele. „Wieso solle Bremen nicht Meister werden können“, wurde er bereits früh in den Medien zitiert. Anfangs belächelt, waren es Davala und eine ganze Stadt, die zuletzt lachen sollten. Als Fußballer verkörperte das Multitalent – er war unter anderem auch als Rapper, Politiker und Bauunternehmer aktiv – den modernen Außenverteidiger gehobener Klasse: Technisch versiert, robust im Defensivverhalten, dynamisch in der Vorwärtsbewegung und ein gutes Timing bei den Flanken. Leider verletzte er sich gegen Ende der Meistersaison so schwer, dass seine Karriere in Bremen ein viel zu lautloses Ende fand. Für mich zählt er auch heute noch zu den unterschätztesten Spielern aus dem Double-Jahr. Davala hat bei mir den Vorzug vor Clemens Fritz erhalten, den zu seiner Bremer Anfangszeit ähnliche Qualitäten auszeichneten. Mittlerweile ist dieser aber im Mittelfeld deutlich besser aufgehoben.

Defensives Mittelfeld: Torsten Frings

Hier konnte es sich für mich nur um eine Entscheidung zwischen diesen zwei Spielern handeln: Torsten Frings oder Dieter Eilts. Beide waren viele Jahre prägend für Werder Bremen und auf dem Platz echte Leader. Ich habe mich letztlich für Frings entschieden, da er defensiv nahezu genauso stark wie Eilts war, offensiv aber deutlich stärker. Frings ist einer der prägenden Box-to-Box-Spieler aus den 2000er Jahren. Er war bärenstark in der Arbeit gegen den Ball, konnte nach Ballgewinn schnell umschalten und so eigene Angriffe clever initiieren. Frings war der perfekte Umschaltspieler für das Bremer-Spiel, bei dem früh gepresst und mit wenig Kontakten gespielt wurde. Wenn er den Ball hatte, konnte man sicher sein, dass er ihn nicht verliert. Lediglich bei der Effizienz von Schlüsselpässen waren andere Box-to-Box-Spieler im internationalen Vergleich stärker. Hier lamentiere ich mich aber auch schon auf sehr hohem Niveau. Der „Lutscher“ bleibt für mich auf diese Position in Bremen einmalig.

Die Halbpositionen in der Raute: Tim Borowski und Fabian Ernst

Sicher werden sich nun einige verwundert die Augen reiben, dass ich hier eine etwas konservative Wahl treffe und auf die ganzen Edeltechniker verzichte, die es auch nicht auf die eine zu vergebene Position im offensiven Mittelfeld schaffen werden. Man bedenke aber, dass ich eine Raute als Grundformation gewählt habe. Und in einer Raute kommt vor allem auf die Außenspieler enorm viel Defensivarbeit zu. Es bedarf hier also an Typen, die ihre Stärken gegen den Ball haben, aber parallel dazu genauso effektiv für das Offensivspiel seien müssen. Während Ernst vor allem durch seine Passsicherheit und die Fähigkeit, den finalen Pass spielen zu können, gefiel, überzeugte Borowski durch sein schnörkelloses Offensivspiel, in dem auch seine Torgefahr optimal zur Geltung kam. Eine extrem gute Schussstechnik sowie die Fähigkeit Räume für Mitspieler zu schaffen, gehörten ebenfalls zu Boros großen Stärken. In ihrer Blütezeit wären sie wohl für jeden Bundesligisten ein Gewinn gewesen.

Offensives Mittelfeld: Johan Micoud

Andreas Herzog, Diego Ribas da Cunha, Mesut Özil oder Kevin de Bruyne. Allesamt überragende Fußballer und umso bitterer, dass sie in dieser Elf nicht dabei sind. Klar, ich hätte sie auf eine der Halbpositionen stellen können, aber ich wollte eine funktionierende Elf. Keine Elf, in der vier Offensive die gesamte Raute bilden… Da werden die Meinungen sicher auseinander gehen. Mein Spielmacher bleibt trotzdem Micoud. Der Franzose war eine Diva, galt als Eigenbrödler und doch war er von den genannten der kompletteste Zehner. Wahrscheinlich der Kompletteste, den Werder jemals hatte. Kaum jemand verstand es, ein Fußballspiel mit der Leichtigkeit eines Micouds zu lenken. Alles was er tat, wirkte wie die perfekte Komposition von Spieler und Ball. Micoud antizipierte Situationen, setzte Mitspieler perfekt in Szene und konnte zu jeder Zeit selbst abschließen. Für das, was Micoud dem Werder-Spiel einverleibte, gibt es eigentlich gar keine passenden Worte, da das Gesamtpaket Micoud einfach so außergewöhnlich gut war. Für mich ist er der genialste Spieler, den ich im Werder-Dress live sehen durfte!

Doppelspitze: Miroslav Klose und Claudio Pizarro

Auch hier habe ich es mir nicht so leicht gemacht. Ailton, Marco Bode und Ivan Klasnic waren ebenfalls geniale Stürmer, die alle für erfolgreichen Werder-Fußball standen und einen großen Anteil an selbigem hatten. In dieser Elf ist aber nur Platz für zwei Angreifer. Der unumstrittenere der beiden Stürmer ist für mich Claudio Pizarro. Der Peruaner war ein Stürmer, der Spiele alleine gewinnen konnte. Seine feine Technik, sein extrem guter Riecher für gefährliche Situationen und nicht zuletzt seine Abschlussstärke machten ihn zum perfekten Stürmer, der er auch heute noch ist. Ein gnadenloser Killer, der jeder Abwehr weh tun kann – selbst dann, wenn nicht der Hauch von Gefahr zu spüren ist. Miroslav Klose war die moderne Ausprägung des mitspielenden Mittelstürmers, der auch noch enorm torgefährlich war. Er war dynamisch, riss Löcher für seine Mitspieler, konnte Bälle halten, sie perfekt für Spieler der zweiten Reihe abtropfen lassen und am Boden oder aus der Luft gleichermaßen stark abschließen. Auch Miro ist ein kompletter und sehr mannschaftsdienlicher Stürmer, weswegen er auch heute noch in Rom große Wertschätzung genießt.

Hier nochmal die Elf im Überblick:

werderelf

Das war sie also, meine beste Werder-Elf seit dem Jahre 2000. Sicher wird es an der ein oder anderen Stelle Personen geben, die anders aufgestellt hätten, aber das ist ja auch vollkommen normal. Mein Bestreben war es, nicht nur die besten Spieler zu platzieren, sondern auch eine Elf aufzubieten, die so hätte funktionieren können und das tut diese Mannschaft für mich zweifelsohne. Die Diskussionsrunde ist eröffnet! 🙂

 

 

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