Zeit, um danke zu sagen

Ein offener Brief an unsere Freunde aus Köln:

Liebe Kölner,

erinnert ihr euch an den 24.10.2014? Freitagabend, Flutlichtspiel im Weserstadion. Als Freunde der Statistik dürftet ihr Böses erahnt haben. Wie lange war es noch gleich her, dass ihr in Bremen einen Dreier geholt habt? Richtig, knapp 20 Jahre. 1:0 am 1. Dezember 1995. Danach wart ihr weitere zehn Mal zu Besuch. Neun Mal waren wir gern eure Gastgeber. Ein Mal entschädigten wir euch für die Reisestrapazen mit einem Punkt. In unserem Selbstverständnis eine angemessene Gegenleistung für euer stetiges Bemühen. Zumindest bis zum besagten 24. Oktober des letzten Jahres. 

Bei uns in Bremen ging es gerade drunter und drüber. Am Spieltag zuvor hatten wir noch eine ordentliche Abreibung in München bekommen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber ein 0:6 schmerzt immer – auch, oder gerade, gegen die Bayern. Der Druck in Bremen wurde gewaltig, was mitunter an mageren vier Punkten aus acht Spielen lag. Siege gab es in der Saison bis dato noch gar nicht. Unser Trainer, Robin Dutt, wurde erstmals öffentlich von Eichin angezählt. Wie ein taumelnder Boxer, der gar nicht weiß wie im geschieht, taumelte Dutt bereits lange von Spieltag zu Spieltag. Die Deckung längst aufgegeben, vielleicht noch in der Hoffnung auf einen eigenen Lucky Punch. Dazu kam es natürlich nicht. Viel mehr setzte es einen närrischen Haken aus Köln, der Dutt endgültig auf die Bretter schickte. Aber nicht nur Dutt war am Boden. Der ganze Verein wirkte mindestens gezeichnet.

Am Rhein war euch das natürlich egal. Ihr habt einfach nur unsere Gönnerlaune ausgenutzt, in der wir unaufgefordert eine Menge Gastgeschenke verteilten. Wieso auch nicht? Wir hätten es ja genauso gemacht. Und mal ganz unter uns: Wir müssen euch dafür noch heute dankbar sein! Denn was seitdem in Bremen passiert ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Wir erleben gerade eine echte Fußball-Renaissance und reiben uns beim Blick auf die Tabelle immer noch ungläubig die Augen. Seit Victor Skripnik am 10. Spieltag unser Team übernommen hat, haben wir es in 16 Spielen auf 29 weitere Zähler gebracht – 33 insgesamt. Den Abstiegskampf haben wir fast hinter uns gelassen und ein ganzer Verein blickt schon wieder viel positiver in die Zukunft. Danke, ihr lieben Kölner.

Wir müssen euch danken, uns von Dutt befreit zu haben, denn in Anbetracht des Ist-Zustands muss er nahezu alles falsch gemacht haben. Die Kettenreaktion, die auf seine Entlassung folgte, hätte für uns kaum positiver ausfallen können. Unsere Spieler wirken so, als hätten sie sich von Fesseln losgelöst, die sie wochenlang von der Entfaltung ihres vollen Potentials abhielten. Wir sehen endlich wieder, dass unsere Jugend doch noch bundesligataugliches Material hergibt und mit Davie Selke haben wir das vielleicht größte Mittelsturm-Talent Deutschlands in unseren Reihen. Durch Skripnik, Frings und Vander fühlen wir uns auch einfach wieder viel mehr nach Werder Bremen. Wir haben Spaß dabei, unseren Spielern beim Kicken zuzusehen und werden auch außerhalb unserer Stadt wieder wahrgenommen – ein tolles Gefühl. Und ihr habt euren Anteil daran, dass sich noch so viel mehr zum Guten gewandt hat. Danke dafür!

Drei Punkte sind allerdings ein angemessener Preis. Wir stehen nicht mehr in eurer Schuld. Und das wird sich auch bis Samstag nicht ändern. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen reisen wir zu euch an den Dom und werden alles daran setzen unseren ganz persönlichen Karneval noch weiter zu verlängern. Für uns ist noch lange keine Fastenzeit und Punkte werden wir nur noch unter größter Gegenwehr hergeben. Wir wollen und wir können wieder gewinnen. Ob´s für Samstag reicht, wird sich zeigen, aber seid euch einer Sache gewiss: Ihr spielt nicht gegen das Werder Bremen aus der Ära Dutt!

Es war dennoch an der Zeit, danke zu sagen. Das haben wir nun getan und blicken jetzt voller Vorfreude dem 26. Spieltag entgegen.

 

Beste Grüße

Ein Bremer

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