Franco di Santo – der Typ, den Bremen lange vergebens suchte

Real Madrid hat Cristiano Ronaldo, Barcelona hat Messi, Paris hat Zlatan Ibrahimovic und Bremen… ja, Bremen hat Franco di Santo. Spinner, werden jetzt sicher einige denken, aber keine Angst, ich will unseren Lieblings-Gaucho nicht auf eine Stufe mit diesen Lichtgestalten des Fußballs hieven. Das wäre mehr als nur vermessen und eine Offenbarung mangelnden Fußballsachverstands. Die Blöße gebe ich mir nur ungern. 

Was sich aber definitiv nicht leugnen lässt? Di Santo hat in Bremen einen ähnlichen Stellenwert, wie ihn Messi und Co. bei ihren Clubs genießen. Während die Fußball-Elite selbst aus überdurchschnittlichen Kollektiven emporragt, gilt für die Santo: Er ist der herausragende Akteur eines mittlerweile wieder ordentliche spielenden Bundesligisten.

In Freiburg wurde auch wieder deutlich, wieso es so wichtig ist, über einen solchen Spieler zu verfügen. Di Santo war im Breisgau der Individualist, der ein durchschnittliches Spiel durch eine außergewöhnliche Einzelaktion entschied. 1:0 Bremen. Ein Treffer der Marke: Tor des Monats. Nicht einfach nur ein Sonntagsschuss, denn di Santo steht spätestens seit dieser Saison für das Außergewöhnliche In Bremen. Seine Tore sind nicht nur die klassischen Tore eines Strafraumterriers, sondern oft das Produkt seiner fußballerischen Klasse.

Seit dem Abgang Pizarros wurde ein solcher Spielertyp in Bremen schmerzlich vermisst. Jemand, der als Anspielstation dient, Bälle halten kann, Zweikämpfe sucht und jederzeit ein Tor schießen kann – eben ein richtiger Matchwinner. Di Santo ist Bremens Rammbock, dem kaum eine Abwehrreihe der Bundesliga 90 Minuten standhalten kann. Bitter, wenn Werder diese Waffe schon zur nächsten Saison weiterreichen müsste. Eine Waffe, die Werders Distanz zu den Abstiegsregionen wahrt und Europapokal-Hoffnungen nährt.

In dieser Form weckt di Santo nunmal Begehrlichkeiten. So läuft das Geschäft. Meine Hoffnungen auf einen Verbleib ruhen auf Eichin, Skripnik und Co., dessen Hauptaufgabe es sein muss, diesen Spieler weiterhin vom Projekt Werder zu überzeugen. So, wie sie es schon bei Junuzovic geschafft haben. Es muss ein Team um die wichtigsten Säulen geformt werden, das sich mittelfristig wieder in der oberen Tabellenhälfte etabliert. Eichins Aussagen machen zumindest etwas Mut: „Für Topspieler wie Franco sind wir auch bereit und in der Lage, Topgehälter zu bezahlen. Alle Parteien wissen, Francos Weg bei uns ist gut, und es zeigt sich gerade, dass der Weg noch besser werden kann. Ich bin guter Hoffnung, dass wir eine vernünftige Lösung finden werden.“ Am Ende können die Worte auch nur der Ruhe vor dem Sturm gedient haben. In diesem Business darf schließlich niemand so naiv sein, jedes Wort für bare Münze zu nehmen.

Vielleicht spielt es Werder aber in die Karten, dass di Santo an einem Scheideweg seiner Karriere das Vertrauen der Grün-Weißen bekam. Wurde er 2008 noch als eines der größte Talente Südamerikas von Chelsea verpflichtet, galt er nach seinen Gastspielen für Wigan Athletic oder die Blackburn Rovers fast schon als gescheitert. Ein Talent mehr, das es in Europa nicht packen würde. Eichin sah in diesem „Teilscheitern“ viel mehr eine Möglichkeit, für die er anfangs reichlich Kritik einstecken musste. Was von di Santos Start in Bremen nämlich hängen blieb: Platzverweis in Frankfurt, Heißsporn, wenig Tore, viele Verletzungen, aber auch immer mal wieder ein Ansatz von Qualität. In einem Arbeitszeugnis hätte wohl gestanden, dass er stets bemüht war, und wir wissen alle was das bedeutet…

Heute darf man froh sein, dass die Ansätze mehr als nur heiße Luft und die Bremer geduldig mit ihrem Spieler waren. Er zahlt es mit guten Leistungen und Toren zurück. Seine eigenen Ansprüche formuliert er dementsprechend forsch. Di Santo will nach Europa. Logisch bei seinen Qualitäten. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Werder ernsthaft ein Anwärter für die internationalen Plätze ist. Fakt ist aber auch, dass es in diversen Spielzeiten eine Überraschungsmannschaft gab, die niemand auf dem Zettel hatte und die sich in der Folgesaison beim Kräftemessen mit der europäischen Konkurrenz wiederfand. In Anbetracht der sehr überschaubaren Punktausbeute aus der Hinrunde mag ich aber nicht ernsthaft über Europa nachdenken. Das Träumen muss da ausreichen. Am liebsten mit einem di Santo als Sturmführer.

Werder muss sich nur eines vor Augen führen, wenn man den Verkauf des Argentiniers in Erwägung zieht: Egal, wie hoch der Transfererlös für ihn sein mag, der sportliche und menschliche Verlust wäre kurzfristig kaum zu kompensieren. Für die Bremer Ambitionen wäre das zweifelsohne ein Rückschritt. Und Werder Bremen ist mittlerweile schon viel zu viele Schritte zurück gegangen, um nicht endlich wieder ein paar Schritte nach vorn zu gehen.

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