3:5 gegen Wolfsburg – na und?

Spektakel an der Weser – nur mit falschem Ausgang. So, oder so ähnlich ließe sich das, was gestern im Weserstadion passiert ist, knapp zusammenfassen. 3:5 gegen dieses VW-Team, in dessen Gegenwart eine Menge Bremer Vergangenheit steckt. Da wären neben Allofs, dem ich nur wenige Tränen nachweine, vor allem Naldo und Kevin de Bruyne zu nennen. Zwei absolute Eckpfeiler der neuen Golfsburger… äh Verzeihung, Wolfsburger Generation. Die Verdienste von Allofs in Bremen sind unbestritten und dennoch hat er viel verbrannte Erde zurückgelassen. Ein Thema, das schon zur Genüge ausdiskutiert wurde. Ich will euch damit nicht noch weiter nerven. Naldo und Kevin de Bruyne fallen da schon mehr ins Gewicht. Spieler, die die Qualität der Bremer Mannschaft deutlich anheben würden – auch wenn Naldo gestern einen schlechteren Tag erwischte. Aaron Hunt nenne ich hier bewusst nicht im selben Atemzug. Bei diesem Spieler gehen die Meinungen bekanntlich weit auseinander. Klar, er ist ein Bremer Junge, aber das allein rechtfertigte für mich nie dieses bedingungslose Festhalten der sportlichen Leitung und einiger Fans an diesem Spieler. Für mich hat er in Bremen jahrelang drei wesentliche Eigenschaften verkörpert: Selbstüberschätzung, Lethargie und Durchschnitt – auch wenn es mal Lichtblicke gab. Lichtblicke, die sich bei detaillierter Betrachtung, auch in der Vita von Kalibern wie Frank Fahrenhorst oder Carlos Alberto finden ließen… Und wünscht ihr euch die wirklich zurück? Ich bin also nicht ganz unzufrieden, dass er weg ist und auch die winterliche Rückholaktion nicht mit aller Macht intensiviert wurde.

Was halten wir nach dem gestrigen Auftritt denn nun fest? Ganz einfach: Werder hat standesgemäß gegen den VfL Wolfsburg verloren. Nicht mehr und nicht weniger. Die Art und Weise ist in Anbetracht von drei Führungen und sehr laienhaft verteidigten Gegentoren ärgerlich, aber Wolfsburg ist derzeit nicht die Kragenweite der Bremer – so ehrlich muss man sein. Unabhängig davon, wieso Wolfsburg so gut situiert ist, ist der Kader außerordentlich gut zusammengestellt. Wir reden hier von einem Kader, der sich in der Bundesliga als erster Verfolger der Bayern etabliert hat und wirklich guten Fußball zeigt. Natürlich hätte Bremen die Führungen konzentrierter verteidigen können, natürlich hätte Skripnik einen überforderten Sternberg zur Halbzeit runter nehmen können und natürlich hätte man einzelne Konter besser ausspielen können. Fehler, auf allen Ebenen, gehören derzeit eben auch zur Entwicklung von Werder Bremen. Das ist nun nicht als Rundumschlag gegen Mannschaftsteile, einzelne Spieler oder den Trainer zu verstehen. Es soll nur verdeutlichen, dass es in der momentan Situation das normalste auf der Welt ist, dass Werder Bremen, warum auch immer, Spiele verliert. Nichts desto trotz gefällt mir dieser Weg, den Werder konsequent geht. Ich sehe die Niederlage gegen Wolfsburg auch nicht als Rückschritt. Nochmal: Der Gegner war Wolfsburg, Tabellenzweiter der Bundesliga.

Wichtiger wird da schon die nächste Partie in Freiburg. Auch wenn Werder durch den positiven Lauf einen Anschluss nach oben herstellen konnte, das Ziel bleibt unverändert: so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu knacken. Dann, und wirklich nur dann sollten Ziele überdacht werden. Die Momentaufnahme zeigt, dass Werder sich gesteigert, aber eben auch viele Defizite hat, die keinen legitimen Anspruch auf Europa erlauben. Nicht in diesem Jahr. Möglich ist natürlich alles, aber lassen wir uns nicht von diesem tollen Lauf blenden. Werder hat einen Kader mit Zukunft, steht endlich wieder für eine konzeptionelle Idee und lässt in Ansätzen wieder guten Fußball erkennen. Das sind Dinge, für die man als Fan dankbar sein sollte. Wir sind in Bremen doch immer gut damit gefahren, uns eher in Bescheidenheit zu üben und statt großer Töne zu spucken, akribisch an der Verbesserung der sportlichen Situation zu arbeiten (Gruß an den HSV an dieser Stelle ;)). Genau so sollte es weiter gehen. Die Reise, die gerade erst mit Viktor Skripnik begonnen hat, ist doch eine schöne. Lassen wir uns also weiterhin ganz bescheiden überraschen.

Zitat des Tages: „Es war ein Fehler vom Schiedsrichter. Er muss nach der ersten Halbzeit abpfeifen.“ – Viktor Skripnik. Damit geht die Analyse wohl am treffendsten zu Ende. 🙂

Advertisements

Ein Kommentar zu “3:5 gegen Wolfsburg – na und?”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s