Noch ein Jahr für Fritz?

Eigentlich war es schon beschlossene Sache, dass Clemens Fritz nach dieser Saison seine Schuhe endgültig an den Nagel hängen würde. Aber in letzter Zeit ist in Bremen nur noch wenig so, wie es noch vor einigen Wochen schien. Möchte man sich beschweren? Nein! Wieso? Weil es sich grad so gut anfühlt, richtig gut!

Aber werfen wir doch kurz einige Blicke zurück, ehe wir uns dem Hier und Jetzt widmen. Ich weiß, Spaß und gute Laune verbreiten sich anders, aber was sein muss, muss sein. Wie war sie also noch, die Lage vor einigen Wochen? Genau, wenn man Werder oben sehen wollte, war es nur nötig, die Tabelle einmal auf den Kopf zu stellen, denn das stolze Werder Bremen stand auf Platz 18 der Fußball Bundesliga. Selbst die größten Optimisten, ich bin selbst gerne einer davon, müssen zugeben, dass eine derartige Leistungsexplosion unserer Mannschaft vollkommen utopisch schien.

Der Prozess, der Bremen bis auf den letzten Platz führte war aber nur noch mäßig schleichend, denn der Trend zeigte in den letzten Spielzeiten deutlich nach unten. Dass man sich nun wirklich im Tal der roten Laternen wiederfand, war trotzdem ein wenig überraschend, aber auch hochgradig beängstigend. Woche um Woche schaute man einer gänzlich verunsicherten Truppe dabei zu, wie sie immer mehr den Beweis antrat, der höchsten deutschen Spielklasse nicht mehr würdig zu sein – allen voran eben auch jener Clemens Fritz um den es hier ja eigentlich geht. Ein Punktelieferant, nicht mehr und nicht weniger war Werder geworden. Ganz egal, ob auswärts oder daheim. Eine Festung? Nicht das Weserstadion. Fast hätte ich dem hinzugefügt: Nicht mit dieser Mannschaft, aber es war die Konstellation im Verein, die anscheinend nicht passen wollte. Der Trainer schien wie ein hochgradig Intellektueller, der Gefallen daran fand, sich gegenüber den Medien ein Stück weit zu profilieren und seine Spieler mit viel zu komplexen Spielideen zu überfordern. Kurzum, die Chemie stimmte nicht, nie, zu keinem Zeitpunkt und das war endgültig klar.

Ein Segen für uns Fan-Idioten, dass wir nun wieder einen Trainer haben, der uns vokabeltechnisch nicht zwingend überlegen ist und einen Co-Trainer, den wir ganz liebevoll einfach nur „Lutscher“ nennen. Klingt für mich alles wieder viel mehr nach Fußball. Nicht falsch verstehen: Ich sage damit nicht, dass ich Fußballer flächendeckend für dämlich halte. Ich finde es nur als selbst Aktiver passender, einen kumpelhaften, verständlichen und motivierenden Ton zu pflegen. Das hat für mich einfach mehr von Fußball. Es ist aber auch dieses Trainerteam, das durch die Rückkehr zur Raute eine Position für Fritz gefunden hat, in der er so richtig aufblüht. Eben nicht mehr hinten rechts, wofür ihm deutlich der Speed fehlt, sondern auf der rechten Halbposition im Mittelfeld. Dort spielt er, als wäre er wieder zehn Jahre jünger.

Das, was ich nun schreibe, mag im ersten Augenblick hart klingen, aber als Bremen in der Hinrunde miserable Ergebnisse einfuhr, habe ich einer Sache freudig entgegengefiebert: Für Clemens Fritz würde es das letzte Jahr als Werder-Spieler sein. Er mag zwar trainingsfleißig und ein wichtiger Ansprechpartner für die Jüngeren gewesen sein, aber seine Leistungen auf dem Platz waren katastrophal und unterirdisch. Es gab einfach nichts mehr, was an den alten Fritz erinnerte. Und nun, in der neuen Rolle, mit dem neuen Trainer, muss man sich ernsthafte Sorgen machen, wenn er mal verletzt oder gelbgesperrt ist, das ist schon paradox… Eichin hat bereits signalisiert, dass ihm von Vereinsseite ein neuer Einjahreskontrakt winkt. Wie ich es beobachte sind auch viele Fans in den Social-Media-Bereichen wieder zu Großen Teilen dafür. Auch das sah vor einigen Wochen anders aus. Da dominierte das andere Extrem. So viel zur Schnelllebigkeit des Geschäfts.

Ich denke, dass Fritz derzeit vor allem von der Stimmung im Team, seiner guten Physis und dem wiedergewonnen Selbstvertrauen profitiert. Ob er diese Leistung in die nächste Saison mitnimmt? Ich glaube nicht. Trotzdem spreche ich mich für eine Verlängerung aus. Das wird nun sicherlich einige meiner engeren Freunde und Bekannte schockieren, da sie sicher etwas anderes erwartet haben. Zugegebenermaßen scheint Fritz wirklich ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu sein und für die Talente sehr wertvoll. Es sind eben doch wichtige Eigenschaften, die der Truppe helfen. Ich sehe ihn allerdings zu deutlich reduzierten Bezügen als eine Art Standby-Spieler, der den Jüngeren hilft, ihre Entwicklung aber nicht blockiert. Kein Starter, aber ein wichtiges Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerstab. Wenn die Gedanken auch von Vereinsseite so sind, sage ich: Pro Fritz für ein weiteres Jahr! Wow, wer hätte gedacht, dass ich das nochmal sagen würde…

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3 Kommentare zu “Noch ein Jahr für Fritz?”

  1. Frag mich halt, ob man Fritz als so ein Bindeglied braucht.

    Klar, in der Raute funktioniert er grad gut – aber wir wollen ja nicht bei dem aktuellen Leistungslevel bleiben, sondern weiter nach oben, kosntanter und deutlich mehr in Richtung „international mithalten können“.

    Und im Hinlblick auf die Zukunft finde ich es schwierig, jemandenzu halten, der evtl „nur“ für gutes Klima sorgt und darauf hoffen, dass er im nächsten Jahr evtl so weiter spielt.

    Ich finds gut, dass es grad so gtu funktioniert, aber wie du sagst – das liegt an der allgmeinen Stimmung und er wird von der Mannschaft getragen und darauf würde ich mich nicht verlassen.

    Gute Stimmung kommt für mich auch durch gute Leistungen, die konstant sind und da würde ich nächstes Jahr lieber auf nen jüngeren, fitteren Spieler setzen!

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    1. Verstehe deine Bedenken, aber ich denke, dass es noch eine Saison klappen würde und er auch keinen potentiellen Verstärkungen im Wege stünde 🙂

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