Ein Prödl to go

Bleiben oder Nichtbleiben, das ist hier das Frage. Klar, wer da gemeint ist: Sebastian Prödl. Unser Ösi-IV, der nun schon so einige Werderjahre auf dem Buckel hat. Jahre, in denen er vom Talent zum Führungsspieler reifte, wenn auch nicht immer unumstritten. Auch ich habe mich lange Zeit schwer mit ihm getan. Nicht selten sah es in der Vergangenheit so aus, dass auf eine überschaubare Menge an Lichtblicken einfach zu viele schwächere Spiele folgten.

Ich denke, dass es über Jahre hinweg vor allem der Konkurrenzsituation auf seiner Position geschuldet war. Es wäre vermessen zu behaupten, dass der Begriff „Abwehrbollwerk“ in Bremen erfunden wurde und dennoch galt: Die Bremer Stamm-Innenverteidigung war, seit Prödl Teil des Vereins wurde, überwiegend sehr stark besetzt. Er kam zwar aufgrund von Verletzungen und Sperren zu seinen Spielzeiten, aber die Leistungen rechtfertigten keineswegs eine Verdrängung der Etablierten. Allen voran wären Naldo, Mertesacker und Sokratis zu nennen. Zudem standen auch Petri „Mr. Zuverlässig“ Pasanen oder Frank Baumann vor ihm, auch wenn der Finne zum Ende seiner Bremer-Tage immer mehr zum Außenverteidiger mutierte. Ich denke, die wenigsten hätten ihm zu der Zeit echte Tränen bei einem Abgang nachgeweint. Da hätte auch nicht diese Netter-Typ-Attitüde gereicht.

Seit der Saison 2012/2013 hat sich seine Situation in Bremen allerdings grundlegend verändert. Die Zeiten von Naldo und Mertesacker waren endgültig vorbei. Es ging darum, den Platz neben Sokratis zu besetzen. Der Grieche war unumstritten und ist auch heute noch einer der Spieler, denen ich besonders nachtrauere. Zu leidenschaftlich waren seine Auftritte, zu wertvoll seine Verdienste in einer insgesamt schwächelnden Bremer Mannschaft.

Nun denn, der Österreicher sollte die Lücke also schließen. Die Hoffnungen waren groß, umso enttäuschender viele Auftritte. Werder schien, und das konnte jeder sehen, nicht mehr den Luxus zu haben, zwei überdurchschnittliche Innenverteidiger im Kader zu haben. Ein Zustand, an den man sich gewöhnen musste – auch ich. Zwar wurde Prödl immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, die vielen Formtiefs sorgten aber manchmal auch für die Degradierung eines fitten Prödls ins zweite Glied. Lukimya oder sogar Pavlovic wurden ihm dann vorgezogen.

2013/2014 sowie zu Beginn dieser Spielzeit, bis zu seiner Verletzung, hat Prödl aber doch noch gezeigt, dass er wirklich ein Innenverteidiger von größerem Format sein kann. Das große Format ist dabei immer im Bezug auf Werders sportliche Situation zu sehen. Prödl ist definitiv bundesligatauglich und in Bremen so etwas wie ein Führungsspieler geworden. Nun könnte es seine letzte Saison sein und ich muss zugeben: Ich bin hin- und hergerissen, ob Werder unter allen Umständen mit ihm verlängern sollte. Vor allem die Verpflichtung von Vestergaard spielt dabei eine große Rolle. Der Däne ist ein ähnlicher Spielertyp und zudem in jungen Jahren schon viel abgeklärter als es Prödl damals war. Es muss noch beobachtet werden, wie konstant er das weiterhin abrufen kann, aber unter´m Strick bleibt festzuhalten: Die Innenverteidigung mit Vestergaard und Galvez hat bisher vollkommen überzeugt. Hinzu käme Prödls Selbstverständnis, sich als absoluter Stammspieler eines ambitionierten Club zu verstehen. Will man ihm das verübeln? Ich denke nicht, denn sonst hätte er auch einen anderen Beruf wählen können. Ob er das auch in Bremen noch wäre? Ich bin mir nicht sicher…

Ein breiter und qualitativ gut bestückter Kader wäre natürlich wünschenswert, aber in Bremen muss man dem Sparkurs sei Dank abwägen, ob es Sinn macht, das Geld vielleicht nicht an anderen Stellen zu investieren. Stand heute wären in der nächsten Saison ja immerhin noch Galvez, Vestergaard, Luki, Caldirola und Rückkehrer Hüsing im Kader. Hinter Caldirola steht zwar noch ein dickes Fragezeichen, aber von Hüsing hört man derzeit viel Gutes aus Rostock. Klar, die spielen natürlich zwei Klassen tiefer, aber das jetzige Trainerteam wird wissen, ob man ihm den Sprung zutraut. Skripnik und Co. zeigen doch gerade nur zu gut, dass sie ein Gespür dafür haben, wie man mit den hauseigenen Talenten umgeht und wem der Sprung in die Bundesliga tatsächlich zuzutrauen ist. Der Kampf um Prödl bleibt also spannend. Werder sehe ich dabei nicht mehr so sehr in der Bringschuld. Ein gut dotiertes Angebot gab es früh genug. Angenommen wurde es nicht. Nun gelten andere Umstände und wieder einmal könnte sein sportlicher Wert kippen, da die Qualität in diesem Mannschaftsteil nach oben korrigiert wurde.

Ich möchte es mal so formulieren: Ich wäre froh, wenn Prödl bleibt und Werder mit drei starken Innenverteidigern in die nächste Saison gehen würde. Verletzungen, Sperren und Formtiefs wären dann leichter zu kompensieren. Dazu würden sich ein etwas stabiler werdender Lukimya sowie der Youngster Hüsing gesellen. Ich denke, dass man Caldirola dann einen Abschied nahelegen könnte. Schade eigentlich, war er doch in seinem ersten Jahr ein echter Lichtblick in der Bremer Hintermannschaft. Auch abseits des Platzes wirkt der Italiener äußerst sympathisch wodurch ein Verlust des Spielers menschlich sicherlich zu bedauern wäre. Die sportliche Leitung wird beurteilen müssen, ob er in Bremen wirklich noch eine Zukunft hat. Vielleicht wäre das anders, wenn sich Prödl doch für ein Ende seiner Bremen-Ära entscheiden sollte. Das wäre zwar schade, aber kein Genickbruch. Vielleicht ist es nach so vielen Jahren auch einfach mal notwendig, etwas Neues auszuprobieren. Warten wir einfach mal, wer sich zur kommenden Saison tatsächlich für einen Prödl to go entscheidet.

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3 Kommentare zu “Ein Prödl to go”

  1. Also für mich überwiegen eher die vielen schlechteren Spiele als die Lichtblicke…

    Er gehört für mich zu der alten Werder Garde und diese Zeiten müssen einfach mal vorbei sein!

    Bestes Beispiel für mich: Clemens Fritz – egal was er wohl angeblich grad fürn Hoch hat – ich fänd es besser, wenn Skripnik und Frings weiter den Weg gehen, junge Kicker ranzuziehen, im Ideallfall ja aus der zweiten Mannschaft, weil sie die kennen.

    Für mich sollte der Umschwung von Werder komplett passieren – das es aktuell tabellarisch traumhaft gut ist, sollte nicht als Anlass genommen werden, beim momentanen Kader zu verbleiben, sondern weiter zu verjüngen und mit diesen Spielern eine neue Bremer Mannschaft formen, die über die nächsten Jahre hinweg wieder oben mitspielen kann – auch wenn das eben erst in 2 Jahren losgehen sollte!

    Ich bin eher dafrü, dass Prödl und Fritz gehen (zumal ich von dem, was ich so von denen an Interviews mitbekomme, beide eher ziemlich unsymphatisch finde)

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    1. Ich bin, wie im Text erwähnt, hin- und hergerissen. Ich habe ihn früher nicht oft genug verfluchen können. Im Moment haben wir aber drei solide bis gute Innverteidiger, wenn man Vestergaard, Galvez und eben Prödl aufzählt. Er hat sich auch endlich in seiner Leistung stabilisiert und ist im Team auch voll akzeptiert. Nichts desto trotz würde Werder diesen Verlust wohl kompensieren können… Bei Fritz ist die Sachlage so, dass ich mir vorstellen könnte, den Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen um ein Jahr zu verlängern. Man entnimmt den O-Tönen der Jungen, dass er wohl auch außerhalb des Platzes ein wichtiger Spieler ist an den sich viele wenden können. Und wenn viele verletzt sind, kann er im Mittelfeld immer mal als Notnagel einspringen, der keine Eingewöhnungszeit benötigt. Dort ist er auch wesentlich besser aufgehoben als hinten rechts. Insgesamt muss Werder diese Spieler nicht auf Biegen und Brechen halten, da sie beide ersetzbar sind. Und wenn diese Entscheidungen alle immer so einfach zu treffen wären, würden wir wahrscheinlich auch an irgendwelchen Tischen mit Vereinswörtlichen und Spielern sitzen, um so etwas zu verhandeln. Es bleibt abzuwarten, wie Werder den Kader zur nächsten Saison verändern wird 😉

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    2. Ich bin bei Prödl auch hin- und hergerissen mit einer kleinen Tendenz zu einem Abschied. So kritisch, wie viele Prödls Leistungen sehen, sehe ich sie nicht. Klar ist Prödl nicht der Innenverteidiger vom hochklassigen, internationalen Format, aber er hat solide Leistungen gebracht, sich imm er in den Dienst der Mannschaft gestellt und sich immer reingehängt bzw. -geworfen. Aber dennoch sollte man sich von ihm trennen, ohne aufzumucken wird er sich nicht auf die Bank setzen und Entwicklungspotiental hat er auch nicht mehr und einem Vestergaard sowie auch Glavez braucht man keinen erfahrenen Spieler mehr vor die Nase setzen. Also Geld in anderes Personal stecken, wie einem Linksverteidiger.
      Ganz anders sieht’s bei Fritz aus. Ein Mann, ähnlich wie Prödl, sympathisch, mannschaftsdienlich, kämpferisch. Nur mit einem Unterschied, Fritz hat die technische Qualität noch, über die läuferische und taktische, hinsichtlich der Defensive, lässt sich streiten. Abee man kann, wenn es überraschend zur Euro League reicht, nicht nur auf junge Spieler setzen. Diese jungen Spieler müssen angeleitet werden, Erfahrungen vermittelt bekommen und die Nervösität genommen werden und genau dafür ist Fritz mit internationalen Spielen auf verschiedenen Ebenen (CL, EL und auch Nationalelf) auf dem Buckel genau der Richtigere, der verlängerte Arm vom Trainerteam und so weiter den Umbruch gestalten, der sehr verheißungsvoll ist, meiner Meinung nach.
      Wer will sich nicht abends mal wieder auf die Couch schmeissen und den SVW live im TV verfolgen (auch wenn Stadion geiler ist) ??

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